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Wirtschaften mit Widersprüchen – Zukunft Nachhaltigkeit – Zukunft Corporate Sustainability

Nicht-entscheidbare Widersprüche sind keine Qual, sie sind eine Energietankstelle jeder Entwicklung für Unternehmen und Manager / Managerinnen. Führungskräfte, die sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit beschäftigen, sollten vor allem eines lernen: sich mit den Widersprüchen  auszusöhnen und ihre Spannungen für strategische Veränderungen im Unternehmen zu nutzen. Wie diese Veränderung mit mehr Leichtigkeit gelingen kann?

Dieser Artikel ist auch auf dem CSR-Blog von respACT – dem CSR – Forum / Netzwerk für Unternehmen erschienen.

Großkreis PeerSpiritCicle

Wenn mich die fast zwei Jahrzehnte lange Beschäftigung mit Nachhaltigkeit für Unternehmen – Corporate Sustainability – etwas gelehrt hat, dann ist es folgendes: Beobachte zuerst immer das größere Spiel. Wie oft wollten wir – Kurt Schauer und ich gemeinsam – die Welt neu erfinden und „Inseln der Nachhaltigkeit“ initiieren, wie oft vollkommen neue Strategien oder gar Geschäftsmodelle mit Unternehmen verwirklichen? Oft genug jedenfalls und mit freudigem, aber durchwachsenem Erfolg. Das neue Spiel war vom alten beeinflusst, das größere Spiel hat das kleinere oft in die Schranken verwiesen. Das herrschende System ist immer das größere, das innovative das kleinere Spiel, auch der Störkeim genannt. Keine Frage, mit genügend Ausdauer können viele kleine Spiele das größere einmal kippen. Irgendwann einmal.

Eine Spiellandschaft für Nachhaltigkeit

Ein Essential für jedes Nachhaltigkeits- oder CSR Projekt (besonders in Unternehmen) ist also die einfache Erkenntnis: Beobachte zuerst immer das größere Spiel und lerne. Das ist keine Verneigung vor Machtsystemen, kein Hissen einer Weißen Fahne im Business War um Ressourcen und Märkte, vielmehr ist es eine Erkenntnis, den Erfahrungen und Geschichten des Lebens und einer Reihe von Erfolgen und Misserfolgen entsprungen.

Das innere Spiel - Spielelandschaft - BusinessVillage

Die Beobachtung des größeren Spiels führt uns in Herz der Nachhaltigkeit und mitten in den Raum der Widersprüche. Dieser Widerspruchsraum ist universell weit gespannt und nur von den Leitplanken der ökologischen Nebenwirkungsarmut und dem sozialen Wirkungsreichtum richtungsmäßig beschränkt. Das wirklich große Spiel in unserer Gesellschaft dreht sich um den Widerspruch „ganzheitlich“ versus „mechanistisch“. Das ist der Widerspruch, aus dem sich der Nachhaltigkeitsdiskurs energetisch speist. Für die Wirtschaft hat der Widerspruch ein anderes Gesicht und zeigt sich als Spiel zwischen „Steigerung“ und „Ankunft“.

Noch eine Ebene tiefer, in den Unternehmen und Organisationen, wird das Widerspruchsfenster enger und öffnet die Debatte „Effizienz“ versus „Sinn“. In der negativen Überhöhung in schlechten Diskussionen, die in der Nachhaltigkeitscommunity häufiger sind, als es zu erwarten wäre,  kommen wir zum Schattenkampf zwischen Entmenschlichung durch Maschinendenken und der ewigen Sinndebatte mit Ertragsverlust. Mehr zu den Widersprüchen im Artikel: „Nur noch kurz die Welt retten?

Dem größten Widerspruch auf der Spur

Die wichtigen Fragen lauten aus meiner Sicht: Welchen Widerspruch gibt mir das größere Spiel – eine „Ebene über mir“ – zur Lösung auf? Wie kann ich mit dem Widerspruch um gehen und welche Auswirkungen hat er ganz konkret auf meinem Spielfeld?
Was viele als nervige Debatten wahrnehmen, wenn Stakeholdergruppen ihre Standpunkte mühsam austauschen, ist in Wirklichkeit ein Versuch, den Widerspruch aufzulösen. Freilich, ernsthaft gelingen kann es nicht. Nachhaltigkeit ist ein Gegenpol zum Business as usual und der entstehende Widerspruch ist zunächst nicht entscheidbar und daher nicht lösbar.
Unsere Chance liegt in den Stakeholderdiskursen, die ihren Anfang im Widerspruch sehen und die am Ende leidiger Diskussionen in einen echten Dialog kommen. Der Widerspruch ist dann nicht das Problem, das wir als Widerstand der Menschen gegen Veränderung erleben, sondern der Anfang einer Entwicklung.

Eine weitere Chance liegt in einem neuen Spiel. Nachhaltigkeit ist ein Spiel, in dem es um Veränderung und um Entscheidung von Widersprüchen geht. Wenn wir uns diesem ernsten Thema mit spielerischer Leichtigkeit nähern, wird das Gelingen wahrscheinlicher. Für dieses Spiel brauchen wir im ersten Schritt neue Spielregeln. Wir schlagen einmal ein Set von vier Spielregeln vor, ausreichend, um das neue Spiel zu beginnen.

Ein neuer Satz von Spielregeln für Führungskräfte und Nachhaltigkeitsmanager / managerinnen

Regel 1: Neues Denken – Beobachte zuerst immer das größere Spiel
Du bist mit Deinem Spiel immer Teil eines größeren Spiels. Blicke zuerst nach oben und mache Dir ein Bild, was gespielt wird. Das Spiel über Dir gibt Orientierung, es zeigt Möglichkeiten, aber es schränkt auch ein. Es fließt immer der kleinere Fluss in den größeren. Seine Wasser werden zum Strom des Ganzen.

Regel 2: Neue Haltung – Setze die Bewertungen aus
Das Leben konfrontiert uns mit unterschiedlichen Situationen. Ob etwas gut oder schlecht für uns oder andere ist, können wir – im Augenblick eines Geschehens – nicht sinnvoll entscheiden. Spiele Dein Spiel zunächst einmal ohne zu werten. Verzichte auf den Anspruch zu wissen, etwas sei richtig oder falsch, gut oder schlecht.

Regel 3: Neues Tun – Entscheide nicht gleich, initiiere einen Prozess und kommuniziere
Die wesentlichen Entscheidungen im Leben – immer, wenn es um etwas wirklich Wichtiges geht – sind eigentlich nicht entscheidbar. Statt voreilig zu entscheiden, initiiere lieber einen Entscheidungsprozess. Nur ein solcher Prozess kann der Komplexität des Lebens gerecht werden. Sobald mehrere Spieler am Feld sind, braucht es eine gute Kommunikation, um gemeinsame Wirklichkeiten zu erzeugen.

Regel 4: Neue Erkenntnis – Halte inne bis alle gelernt haben
Die Entwicklung besteht immer aus vielen kleinen Entwicklungsschritten. Nach jedem Schritt halte kurz inne und schaue, was Du gelernt hast. Wenn mehrere Menschen in diesem Spiel mitspielen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle aus der Entwicklung gelernt haben. Mache erst dann den nächsten Zug.

Fazit für Führungskräfte und Nachhaltigkeitsmanager / Managerinnen: Unsere Arbeit wird spannend und wirkungsvoll, wo die wahren Widersprüche beginnen. Machen Sie sich die Widersprüche zum Freund, freuen Sie sich über das Unbequeme. Schwierig ist diese Aufgabe – Corporate Sustainability ins Leben zu bringen – auch so.

herzlich,

Heinz Peter Wallner

Quelle: Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingen 
inneres-spiel

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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

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