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Ein Augenblick ohne Wertung kann ein Leben verändern

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Ein Augenblick ohne Wertung kann ein Leben verändern

by Heinz Peter Wallner

Vielleicht erkennen Sie, dass die Antwort überhaupt nicht in den Meinungen liegt, sondern anderswo (David Bohm)

train the eight - Madame Di Men Sion

train the eight – Madame Di Men Sion

Wir sind trainiert in jeder Situation des Lebens uns schnell ein Urteil zu bilden. Kaum, dass der Augenblick vorbei scheint, ist unsere Wertung schon abgegeben. Vielleicht ist das ein wichtiger Teil unserer Kultur, weil es Meinungen erkennbar macht, die einen Standpunkte von anderen abgrenzt und uns durch eine energetische Reaktion lebendig erscheinen lässt. Ist es nicht so, dass wir meinen, wenn ein Mensch nicht auf eine Situation angemessen schnell reagiert, sich nicht sofort zur Wehr setzt, dann ist der phlegmatisch? Dieser Zusammenhang wird mit Actio = Reactio beschrieben. Wenn wir dieses Gesetz in unseren Alltag übertragen, dann sind wir mitten in der Dualität. Es gibt immer etwas, das etwas anderes bewirkt. Wir erwarten von uns und von anderen Menschen im täglichen Miteinander eine angemessene Reaktion auf eine Aktion – also eine Wirkung aufgrund einer Ursache.

Schon zuvor habe ich über dieses Verwirrspiel von Ursache und Wirkung einen Artikel verfasst . Es ist deshalb ein Verwirrspiel, weil selbst in ganzheitlich denkenden Communities das Gesetz von Ursache und Wirkung unterschiedlich interpretiert wird. Für die einen ist ein universelles Grundprinzip, für die anderen eine Täuschung.  Ich empfehle ihnen sehr: David Richard Hawkins „there is no this causing that“.

Was mir aber am Herzen liegt und was ich hier ansprechen möchte, ist die unendlich große negative Energie, die sich in den schnellen Wertungen eines Geschehens im Augenblick aufbaut. Sicher gibt es viele Menschen, die positiv auf Ereignisse reagieren, aber die anderen, die grundsätzlich dem Augenblick skeptisch gegenüber stehen, sind in der Überzahl – und möge ich mich täuschen – nehmen auch noch an Häufigkeit zu. Viel zu oft erlebe ich Situationen, in denen die Menschen ihre negativen Energien in den Augenblick werfen und verdichten. Das finde ich im täglichen Leben und in den Unternehmen im Arbeitsleben in gleicher Weise. Ich schließe mich da ebenso nicht aus. Auch Twitter ist eine Plattform des Widerstandes gegen den Augenblick – was uns nicht alles stört, ärgert, aufregt, vom Wetter bis zur Politik; aber Gott sei Dank, gibt es auch die positiven TwitterInnen, die einem das Herz erfrischen!

Es gibt zwei typische Opfer-Reaktionsmuster, die ineinander übergehen:

  • Oh je, das hätte so nicht passieren dürfen! Ganz anders habe ich es mir erwartet!
  • Oh je, etwas ist nicht eingetreten, was ich aber erwartet habe und was hätte passieren müssen!

Beispiele? Gerne hunderte bei Bedarf. Die Entscheidung der Geschäftsführung war wieder ganz falsch! Ganz anders habe ich es mir erwartet … oder, das Seminar läuft gar nicht gut. Die Inhalte sind nicht meine Sache, ich habe mir wirklich etwas viel Spannenderes erwartet … oder, das Hotelzimmer gefällt mir gar nicht, es ist klein, laut und außerdem habe ich mir ein viel größeres vorgestellt.

Jetzt bin ich extra zu dieser Konferenz angereist, um genau jene Rednerin zu hören und ausgerechnet  sie hat abgesagt … oder, jetzt arbeite ich seit so vielen Jahren genau auf diesen Job hin und jetzt bekommt ihn jemand anders. Dabei, stünde es mir zu … und so weiter.

Worauf ich hinaus will:

Wenn wir stets den Augenblick werten und in einer negativen Spirale gefangen sind, dann entgeht uns das wahre Leben. Ob etwas gut oder schlecht für uns ist, können wir im Augenblick weder begreifen noch einschätzen. Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass es schreckliche Dinge auf dieser Welt gibt, die uns wiederfahren können. In den allermeisten Fällen aber ist eine Bewertung im Augenblick einfach nicht notwendig und vor allem nicht förderlich für unser Leben und Wohlbefinden.

Es ist eine vielleicht auch für Sie hilfreiche Frage, die wir im Augenblick – sobald wir die innere Stimme im Kopf ihre Wertung abgeben hören – stellen können: „Wer spricht da eigentlich?“ Darauf gibt es für mich eine Antwort, die etwas ändern kann: „Es spricht mein Ego zu mir“. Irgendetwas hat an meinem Ego gekratzt. Es will daher in den Widerstand gegen und sich gegen den Augenblick stellen. Aber was das Ego nährt und aufbläht ist mitunter für unser wahres Sein gar nicht gut.

Wenn wir das erkennen, dann können wir auch „wahre menschliche Größe erreichen“. Darüber habe ich bei Holger Eckstein einen sehr schönen Artikel gefunden:  „Menschliche Größe entsteht, wenn wir nicht unser abgetrenntes Ego definieren lassen, was Größe ist („Ich bin größer als der/die!“), sondern unser wahres Selbst („Ich bin dasselbe wie Du. In mir ist (meine) Größe, in Dir ist (Deine) Größe.“) Größe ist das, was uns verbindet – tief mit uns selbst und mit dem Leben“ (Link). Wer so weit in seiner Entwicklung gekommen ist, der wird auch die wertende Stimme des Egos, die so viele Augenblicke im Leben verderben kann, überhören oder abstellen können.

Eckhart Tolle bezieht sich auf den Augenblick, auf das Jetzt. Nur hier begegnen wir dem Leben. Wenn wir aber ständig am Augenblick etwas auszusetzen haben und den Lebenssituationen mit Widerwillen begegnen, dann sind wir auch gegen das Leben.  Eckhart Tolle  empfiehlt drei Moden, die uns durch’s Leben begleiten können.

(1) Ist das so? Was immer uns auch begegnen mag, welche Situation uns das Leben in einem Augenblick aufwartet, wir können mit einer Haltung der Widerstandslosigkeit annehmen was da ist. Mit der Frage „Ist das so?“ wird genau diese Haltung auf den Punkt gebracht.

(2) Mag sein. Ob etwas gut oder schlecht ist, kann im Augenblick nicht entschieden werden. Vielleicht ist etwas, das wir im Augenblick als negativ einstufen würden, zwei Augenblicke später unser größtes Glück. Wir wissen es nicht. Daher meint „mag sein“ einfach, die Dinge die uns passieren, nicht zu werten.

(3) Auch das geht vorbei. Mit der Haltung „auch das geht vorbei“ ist keine Gleichgültigkeit gemeint. Vielmehr steckt in diesen Worten die Botschaft, nicht an den Augenblicken des Lebens anzuhaften und sie aufhalten zu wollen. Es geht etwas, es kommt etwas. Wir leben im Flow.

Mit ein bisschen Training entlang der liegenden Acht (train the eight)  – Neues Denken, Neue Haltung, Neues Tun, Neue Erkenntnis können wir diese einfachen Sätze zu unseren Begleitern machen. Sie können uns zum Glück führen oder einfach mit etwas mehr Gelassenheit erfüllen. Fein wäre es schon, aus den negativen Spiralen auszubrechen und den Augenblicken – also dem Leben – wieder  eine faire Chance zu geben.

Aber ich bin da auch nur ein Übender,

Ihr Heinz Peter Wallner

Meine Blogartikel über das „Lernen in der liegenden Acht“:  http://hpwallner.com/page/3/?s=lernen+in+der+liegenden+acht&x=4&y=12

Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

14 Kommentare

  1. Hallo Heinz,

    hier sagst Du ein paar ganz wesentliche Dinge, die sich jedermann beherzigen sollte. Nur das Ego zu füttern bringt in aller Regel nichts, denn nicht nur Lob und Erfolg bringt einen in der Entwicklung weiter, sondern vor allem unsere Fehler und sogar auch das Leid hat seinen Sinn. Viel mehr sollten wir alle darüber nachdenken, welchen Beitrag wir auf dieser Welt leisten möchten und weniger darüber, welches Tun uns zum Erfolg führt.

    Danke für diesen Artikel und die vielen tollen Link-Tipps!
    Bianca

  2. Hallo Bianca, danke für den schönen Kommentar! Das ist ja ein Weltbild und eine Philosophie in fünf Sätzen 🙂 Gefällt mir sehr! Genau so gut gefällt mir Dein Blog http://www.chiliconcharme.de/ … und ich folge Dir auf Twitter 🙂 Freu mich auf den weiteren Austausch, Peter

  3. Lieber Herr Bormann,
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar und den Link zum Video! Sehr spannend.
    Mit ebenso besten Grüßen,
    Ihr Heinz Peter Wallner

  4. Lieber Herr Wallner,

    durch Zufall und über Xing, bzw. Hannes Offenbacher bin ich auf Sie aufmerksam geworden. Durch unseren gemeinsamen Namen und Beruf der Unternehmensberatung hat mich das Interesse getrieben, mehr über Sie zu lesen. Das lernen in der liegenden Acht und Ihre Empfehlung von Hawkins „there is no this causing that“ haben mich inspiriert. Habe eine Menge von Ihnen gelernt!!

    Herzlichst

    Hannes Wallner

  5. Guten Tag, Herr Wallner,

    „Ein Augenblick ohne Wertung kann ein Leben verändern“ – eine geniale Verdichtung der Botschaft in einem Titel. Gratulation zu diesem wertvollen Artikel über das Thema Achtsamkeit, Selbstverantwortlichkeit und Ursache- / Wirkungsprinzip.

    Kollegiale Grüße aus Hessen
    Brigitte Wolter

  6. Ein sehr informativer Artikel 🙂

    zu dem ich folgendes schreiben möchte:

    Zitat: „In den allermeisten Fällen aber ist eine Bewertung im Augenblick einfach nicht notwendig und vor allem nicht förderlich für unser Leben und Wohlbefinden.“

    Das mit den „in den allermeisten Fällen“ ist eine wichtige Einschränkung, denn ganz ohne Bewertung geht es auch nicht, wie sollen wir uns sonst konkret für oder gegen etwas entscheiden ?

    Zitat: „In mir ist (meine) Größe, in Dir ist (Deine) Größe.”) Größe ist das, was uns verbindet – tief mit uns selbst und mit dem Leben.“

    Genau das, ist auch die Kernaussage meines Artikels „Was bedeutet der Begriff „Lebensaufgabe“ ?“ – http://www.onlinetechniker.de/?q=node/81

    Jeder hat eine bestimmte Lebensaufgabe und wenn wir sie ausführen, können wir unsere wahre Grösse in einem ganz bestimmten Bereich erreichen. Dieser Bereich ist quasi die Schnittmenge unserer Begabungen, Leidenschaften, Werte, Charakterstärken und unser Grundgesundheit. Da die Kombination aus den genannten Eigenschaften unter Beachtung der feinen Unterschiede bei jedem Menschen einzigartig ist, sind wir selbst einzigartig – allerdings nur wenn wir unsere Aufgabe finden und vor allem ausführen.

    ———————————-
    Wo wären wir denn heute, wenn unsere Vorfahren alle einfach gesagt hätten, das geht doch nicht, und niemand den Weg gegangen wäre, um wirklich zu sehen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich mutig, entschlossen und tatkräftig auf den Weg machen, um sicherzustellen ob etwas wirklich nicht geht ?
    onlinetechniker.de

  7. Diese Folgeartikel gibt es schon 🙂

    und zwar die Geschichte in der ich meinen eigenen Weg zur Lebensaufgabe beschreibe
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/29

    und folgende Artikel, die ich jedem, der den schwierigen (aber sehr erkenntnisreichen) Weg zu seiner Lebensaufgabe gehen möchte, empfehlen kann:

    Wenn der Beruf ruft!
    Mit Freude arbeiten – eine Wegbeschreibung in vier Folgen von Ralf G. Nemeczek.
    http://www.changex.de/d_a02425.html 

    Castaneda: Die vier Feinde des Menschen
    Die vier Feinde: Furcht, Macht, (Schein-)Wissen, Alter
    Ein Ratgeber vom Philognosie-Autor „Sperber“.
    http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/229

    Der „Weg des Lernens“
    Charakterentwicklung in der Kampfkunst 
    Ein Ratgeber vom Philognosie-Autor „Sperber“.
    http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/472

    zuletzt noch ein sehr inhaltsreiches Lied zum Thema „Lebensaufgabe“:
    es ist das Lied „Krieger“ von den fantastischen Vier
    http://www.youtube.com/watch?v=SfkwZEL6E9g

    Viel Freude beim lesen bzw. anhören 🙂

  8. Danke für den Tipp! Nun, das ist immer eine Überlegung wert. Zeit aber ist es erst dafür, wenn aus jeder meiner Falten die Heiterkeit des Wissens lächelt. Da wirst Du schon noch etwas warten müssen. Gruss, Peter

  9. Ein Augenblick ohne Bewertung verändert ein Leben. 🙂

    Vielen Dank für Deine kluge Ausarbeitung
    und recht liebe Grüsse, Carla

  10. Danke, Carla, für die Klarheit 🙂 und Deine neuerliche Rückmeldung. Freu mich immer über Deine Besuche! herzlich, Peter

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