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Komplexität – zwischen Ignoranz und Intuition

Komplexität – zwischen Ignoranz und Intuition
by Heinz Peter Wallner

Komplexität – zwischen Ignoranz und Intuition

Komplexität steht als Thema im Führungskräftetraining ganz oben auf der Agenda. Immer mehr Führungskräfte wollen „Komplexität meistern“ können. Die Ansätze sind vielfältig, sie reichen von Ignoranz bis zur Intuition. Hier ein kurzer Blick auf das Thema.

„Sie wollten den Fortschritt, und was sie bekommen haben, ist die Komplexität.“

„Wissen, das uns wirklich interessiert, ist immer Ermächtigungswissen, mit dem man Komplexität handhabbar macht. “

(Sloterdijk, Ausgewählte Übertreibungen, Suhrkamp, 2013, Seite 267 und 268)

Das Bild ist in zwei Hälften geteilt. Die linke Bildhälfte zeigt ein Bild eines Spinnennetzes, das in der Morgendämmerung mit Tau benetzt ist. Der Hintergrund ist dunkelgrün und orange. Die rechte Bildhälfte zeigt eine dunkelblau-grüne Fläche mit dem weißen Text: „Komplexität: zwischen Ingnoranz und Intuition“. Zusätzlich der Name des Autors Dr. Heinz Peter Wallner und der Slogan: Learning to change. Weiteres der Hinweis auf die Quelle: Mit Inspirationen aus Peter Sloterdijks Gedankenfeuerwerk.

Komplexität erleben

Komplexität als Thema im Führungskräftetraining

Heute wird in den Führungsetagen sehr viel über Komplexität diskutiert. Auch in meinen Führungskräftetrainings stehen die Bewältigungsstrategien für komplexe Problemstellungen hoch im Kurs. Es gibt bekanntlich einige sehr unpassende Versuche, Komplexität zu meistern, und es gibt Ansätze, die den Herausforderungen besser gerecht werden. Damit wird klar, dass Führungskräfte über ein Portfolio an Bewältigungsstrategien verfügen müssen.

Die Freude an der Ignoranz

Die wohl beliebteste Weise, der Komplexität zu begegnen ist die Simplifikation. Jeder „Simplify-Versuch“ kann am besten mit Ignoranz umschrieben werden. Ein Problem zu ignorieren bedeutet, das Problem so weit zu vereinfachen, bis es als gelöst verstanden werden kann. Langfristig schafft  das natürlich keine Abhilfe, sondern es verschlimmert die Belastungen nur weiter.

Die Angst vor der Intuition

Ein aktueller Ansatz, der besser geeignet ist, liegt in emotional-intuitiven Entscheidungsstrategien. Diese dringen immer weiter in die Führungsarbeit ein und sind dabei, sich einen Raum zu erobern. Souveränität in der Führungsarbeit erreichen daher heute ganzheitlich denkende Menschen, die aktiv an ihrer Wahrnehmung arbeiten, eher als reine Rationalisten. Souverän ist nur, wer komplexe Situationen mit einer „intuitiven Selbstverständlichkeit“ meistern kann.

Artikel zum Thema „Komplexität“:

Führung und Management sind im Umbruch – Was heute wichtig ist: Komplexität meistern!

Umgang mit Komplexität – Führungskräfte an der Belastungsgrenze

Die Dichte belastet uns

Komplexität ist also die neue Belastung für Führungskräfte. Eine Quelle der hohen und ständig steigenden Komplexität ist die Verdichtung in unserer Welt, die der Fortschritt mit sich bringt. „Unter dem Begriff der Dichte lassen sich solche Effekte fassen: Zahllose Partikel, zahllose Institutionen, zahllose Unternehmen, zahllose Einzelne rücken immer intensiver aufeinander zu, und das in immer höheren Frequenzen. Die Zahl ihrer Kontakte oder Kollisionen steigt exponentiell.“ (Sloterdijk, Seite 267)

Hilfreiche Strategien zur Bewältigung der Komplexität

Wer in der Lage ist, die Führungskräfte zu entlasten, der hat den Markt aller Märkte gefunden. Und jene, die nur nach einer schnellen Entlastung durch Betäubung suchen, mögen Simplify-Bücher lesen, das Angebot ist groß. Der aber, der mit der Komplexität in den Ring steigen will und nach Flow sucht, der muss sich auf die Suche machen und sich bereit zur Übung sein.

An dieser Stelle beginne ich eine neue Artikelreihe über die mir bekannten Strategien für komplexe Situationen!

Hier einmal eine erste kleine Liste aus drei wirkungsvollen Ansätzen:

1.      Übe die „freischwebende Aufmerksamkeit“

2.      Nutze die Iteration zur Konfliktlösung – „Widerspruchsarbeit“

3.      Initiiere den Dialog – „Dissens und Vielfalt“ sind die Grundlage

In meinen nächsten Beiträgen werde ich diese Grundstrategien im Umgang mit hoher Komplexität jeweils näher ausführen.

Tipp für Führungskräfte

Komplexität können wir nur meistern, wenn wir bereit zur Übung sind. Wir müssen Fähigkeiten zur Problemlösung neu beleben, die zwar unbewusst gut funktionieren, die unser bewusster Geist aber hat verkümmern lassen. Das neue Spiel beginnt. Komplexität – zwischen Ignoranz und Intuition – und es startet mit unserer Intuition.

Herzlich,

Heinz Peter Wallner

 

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Meine Inspirationsquellen für diese Zeilen sind:

Peter Sloterdijk: Werk

Peter Sloterdijk, 2013, Ausgewählte Übertreibungen, Suhrkamp, 2013

Peter Sloterdijk, 2009, Du mußt dein Leben ändern, Suhrkamp, 1. Auflage

 

Meine persönliche Darstellung des Self-Leaderships: Heinz Peter Wallner, 2016, TAKE FIVE – Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke, Edition Summerhill, 1. Auflage, www.take-five-for-life.de, Link: Book2Look

Visuelle Aufbereitung und mit klarem Führungsbezug: Heinz Peter Wallner, Kurt Völkl, 2017, Fokus Self-Leadership – Gesunde und wirkungsvolle Selbstführung in Zeiten hoher Komplexität, Edition Summerhill, 1. Auflage, www.selfleadership.pro, Link: Book2Look

Video: Veränderung ganzheitlich verstehen – Heinz Peter Wallner auf YouTube


 

Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change!Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen!Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen.Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

2 Kommentare

  1. In Wirklichkeit neigen wir Menschen und natürlich auch Organisationen zur Komplexitätsvermeidung. Jede Überraschung / Irritation ist für die meisten heutig gelebten Organisationen (Top-down) stress und es antwortet quasi der “ Immunapparat“ mit meist aus der bisher bekannten Welt bekannten Methoden. Z.B Kontrolle, Marktforschung, Marktdaten, Anweisungen, (seid Kreativ!) oder gar New -Work, Agile, ecet. Bei genauer Beobachtung wird man erkennen, dass es an den Organisationsstrukturen liegt, die es zu ändern gilt. Nämlich hin zu echtem Teamwork, weglassen von unnötigem, Kundenorientierung und das Verständnis von Führung neu zu definieren und auch zulassen. In jeder Firma schlummert Wissen, Talente und unglaublich leistungsfähige Teams. Man muss diese nur machen lassen und an Problemstellungen (Komplexität)gemeinsam zu lernen. Nur wir Menschen können mit Komplexität umgehen am besten in Teams, die selbstorganisiert arbeiten. Was ich da behaupte habe ich in frühen Jahren meiner Karriere selber erlebt. Über Berater könnte ich übrigens auch eine Menge erzählen…Noch was: In der Luhmannschen Systemtheorie finden sich erstaunlich viele Erklärungen und Beobachtungen die von Nutzen im Umgang mit Komplexität sein können. Natürlich nicht nur dort.
    Viele Grüsse Karl Leinstein

  2. Hallo Herr Leinstein, danke für Ihren Beitrag. Sie bringen sehr hilfreiche und ergänzende Sichtweisen ein! Der Begriff „Immunapparat“ bringt es auf den Punkt. Ein gesundes Immunsystem kann Störungen auffangen und ausgleichen. Gibt es zu viel Störung wird das System überlastet, was zu Ignoranz führen kann. Wir ignorieren dann gerne Symptome. Das Potenzial, das in selbstverantwortlichen Teams liegt, sehe ich auch. Nur ein Team mit intensiver Vernetzung und Kommunikation kann Komplexität aufnehmen. Der Hinweis auf Luhmann ist sehr wertvoll danke. Nehmen wir das Vertrauen als bekannten Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität. Das führt uns wieder zum Team… Alles Gute, viele Grüße, Heinz Peter Wallner

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