Home Blogartikel Wirtschaft ist ein Formentraum – Nachhaltigkeit ein Erwachen – train the eight

Wirtschaft ist ein Formentraum – Nachhaltigkeit ein Erwachen – train the eight

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Wirtschaft ist ein Formentraum – Nachhaltigkeit ein Erwachen – train the eight

by Heinz Peter Wallner
Nachhaltigkeit - Jeden Tag neu entscheiden - Kresse-Wallner

Nachhaltigkeit – Jeden Tag neu entscheiden – Kresse-Wallner

Es mag an der vorweihnachtlichen Zeit liegen, dass ich während des Schreibens den Boden des Wirtschaftens verlasse und eine „vertikale Spannung“ wirken lasse, die mich hoch hebt in Nebelreiche. Wollte ich doch über „Härte im Urteil in einer kooperativen Welt“ schreiben. Erwacht und abgehoben frage ich Sie: „ Haben Sie wieder Lust auf einen üppigen Text?“

Wir haben unsere Wirtschaft in das Fundament der Konkurrenz und des Überlebenskampfes zementiert. Wir dachten, es wäre gut und richtig, weil uns diese Basis finanzielle Erfolge einbrachte. Es gibt viele Menschen, die noch heute glauben, dass uns dieses Wissen aus der Biologie, oder besser aus der Evolutionsforschung zugetragen wurde. Oftmals wird Charles Darwin bemüht und seine Idee des „survival of the fittest“ oder des  „struggle for life“ als Grundhandlungsmuster der Natur präsentiert. Heute sind wir etwas weiter im Denken und die neuen Erkenntnisse sollten längst mit unseren falschen Grundannahmen aufräumen. Aber tun sie es?

Wer weiß heute wirklich, dass die Begriffe Konkurrenz und Überlebenskampf zunächst in der Wirtschaftstheorie erfunden und erst später in die Biologie übertragen wurden? Lynn Margulis stellt klar, dass diese beiden Begriffe menschliche Konstruktionen seien. Ein Erfolgsdenken, wie wir es in der Wirtschaft definiert haben, ist der Natur gänzlich fremd. Schon auf den ersten Seiten von „Prinzip Menschlichkeit“ legt Joachim Bauer klar, wie wir als Menschen neurobiologisch wirklich zu verstehen sind. „Wir sind – aus neurobiologischer Sicht – auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen. Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben“ (Bauer, 2006, Seite 21). Wenn wir davon ausgehen, dass sich Menschen sich in einem Klima der Konkurrenz am besten entwickeln würden, sind wir einem Irrtum aufgesessen. Dort wo Menschen gelingende Beziehungen eingehen können, sind sie motiviert und aktivieren ihr inneres Antriebsaggregat.

Wir müssen noch viel von der Natur lernen und in die Wirtschaft übertragen. Die Natur kennt unser simples Erfolgsdenken nicht. Worauf will die Natur aber hinaus? „Doch nicht nur darauf, dass der Stärkere gewinnt und alles, was ein wenig matt, krank und andersartig ist, einfach auszulöschen sei. Im Gegenteil, die Natur ist die größte „Verschwenderin“ überhaupt. Vögel singen nicht nur aus dem Grund der Vermehrung, nein, auch aus purer Lust an ihrem eigenen Gesang. Blüten blühen nicht nur in üppigsten Farben, damit sie Bienen anlocken, sondern ‚einfach so’…nicht alles darf auf kausale Zusammenhänge herunter reduziert werden. Was für ein schales, unfaszinierendes Leben wäre das hier auf der Erde, Cooper?“ (Völkl, Wallner, Kresse, 2009 – www.lila-management.com).

Wir könnten natürlich an dieser Stelle eine alte Frage aufgreifen: Gibt es einen göttlichen Plan in der Evolution („Intelligent Design“-Idee“)? Mir persönlich gefällt die Idee des Punktes OMEGA von Teilhard de Chardin am besten. Er findet zwischen dem extremen Kreationismus (Schöpfungsakt in sieben Tagen), dem „Intelligent Design“, also dem außerhalb der Schöpfung stehenden Gott, und der Evolution nach dem Prinzip „Kampf ums Dasein“ eine goldene Mitte. Chardin vertritt die Vorstellung, dass Gott in der Welt selbst, also in allen belebten Wesen und daher auch im Menschen sei. Alles, was mich Weisheitslehren bisher gelehrt haben, scheint mit dieser Vorstellung einher zu gehen. Wir können also das „all-sehende, weiße Licht“ in uns versuchen , zu erkennen und es zum Strahlen bringen. Darin mag der wahre Sinn des Lebens liegen. Kaum also im Erfolg in der Welt der Formen (der äußeren Welt).

Das bringt mich zurück auf den Boden der wirtschaftlichen Realität. Was soll das nun für einen Menschen heißen, der Teil der Wirtschaft ist? Sobald wir in unserer Entwicklung eine Stufe erreicht haben, die eine Abkehr von den Formen der Welt mit sich bringt, sind wir aus dem Prozess der Wirtschaft, deren Kern es ist, Formen in vielfältigster Form zu schaffen, ausgeschieden. Mir geht es aber nicht darum, Wege zu finden, aus der Wirtschaft auszuscheiden, sondern vielmehr darum, tiefer und sinnvoller in die Welt der Wirtschaft einzudringen und einen nachhaltigen Schaffensprozess als Ziel zu erkennen.

Formentraum Wirtschaft Nachhaltigkeit - Wallner

Formentraum Wirtschaft Nachhaltigkeit – Wallner

In jedem Schaffensprozess, so auch in der Wirtschaft, gehen wir den Weg entlang der liegenden Acht: Neues Denken, neue Haltung, neues Tun und neue Erkenntnis. Anders ausgedrückt durchlaufen wir einen „Geist-Herz-Bewegung-Form“ Zyklus in ständiger Wiederholung („train the eight“). Am Ende entstehen also immer neue Formen. Jede Innovation ist eine neue Form. Der Formen-Schaffensprozess bringt uns also immer tiefer in die Welt der Vielfalt. Wir leben unseren Formentraum, den Eckhart Tolle gut beschreibt. Ich persönlich sehe derzeit noch nicht die Zeit gekommen, aus diesem Formentraum zu erwachen, wie das viele Heilslehren fordern. Wir könnten uns nur langsam der Prozesse bewusst werden und dann unsere „Schattenhaltung“ kultivieren. Es macht aber einen Unterschied, ob wir wissend Formen schaffen und innerlich mit der Abkehr von der Form kämpfen, oder ob wir blind und unbewusst dem Formenrausch erliegen. Sehr hilfreich war mir hier das Buch „Eine neue Erde“ von Eckhart Tolle.

Möge uns die Lust am Formenschaffen noch lange nicht vergehen. Es täte der Welt gut – und wäre am Ende genau der Kern dessen, was viele als „nachhaltige Entwicklung“ bezeichnen – wenn wir überlegten, welche Formen und Muster dem schöpferischen Prozess dienlich sind und das Leben unterstützen. Formenschaffen als Zweck alleine wird für eine gute Zukunft dieser Welt nicht ausreichen. Nachdem auch die Natur im Formenschaffen reichlich aus dem Vollen schöpft, wird uns Menschen der Ideenreichtum ebenso nicht ausgehen. In einem solchen Wirtschaftsparadigma brauchen wir Konkurrenz und Überlebenskampf gar nicht mehr mitdenken. Am wievielten Tag erkennen wir, dass unser Fundament aus Konkurrenz und Überlebenskampf nicht gut war? Wann bauen wir die neue Wirtschaft auf dem Fundament der guten Wiederholung? Lassen wir aus dem neuen Denken neue Haltungen, neues Tun und somit neue Formen entstehen. Genau darin liegt der Sinn der Wirtschaft: der Schaffung lebensförderlicher Formen und Muster („train the eight“).

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Ein etwas älterer Artikel „Braucht die Wirtschaft ein neues Bewusstsein“ widmet sich ebenfalls dieser Frage aus der Sicht der Bewusstseinsentwicklung.

Train the eight!

Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

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