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Nichts kann am Menschen bleiben, wie es war. Du musst Dein Leben ändern (RMR).

„Nichts kann am Menschen bleiben, wie es war – die Gefühle werden reformiert, der Habitus wird neu geprägt, die Gedankenwelt von Grund auf restrukturiert, das gesprochene Wort saniert. Das ganze Leben erhebt sich als Neubau auf dem Fundament der guten Wiederholung.“ Dieses Zitat aus Peter Sloterdijks Buch „Du musst Dein Leben ändern“, 2009, Seite 640, liest sich fast wie eine wortgewaltigere Version des „Lernen in der liegenden Acht“ (LILA).  Beim Lernen in der liegenden Acht, das jedem Veränderungsprozess zugrunde liegt, beginnt das Neue im Geist. Gedanken entstehen als fokussierter Geist, als Schwingung. Die Gedanken sinken in den Körper ab und werden zum gefühlten Wissen. Wir laden unsere Gedanken mit Gefühl auf und machen sie somit zum Werkzeug der Veränderung. Aus dem Gedanken entsteht Gefühl und eine neue Haltung. Gestärkt können wir zur Tat schreiten und ins Tun übergehen. Alsbald aber ziehen wir neue Erkenntnisse aus unserem Tun und verändern unsere Gewohnheiten.

Lernen in der liegenden Acht - Wallner 09

Die Kurzformel jeder Veränderung:

Geist – Herz – Bewegung – Form  (Neues Denken – neue Haltung – neues Tun – neue Erkenntnis) und die ständige Wiederholung.

Geist – Neues Denken: die Gedankenwelt wird von Grund auf restrukturiert

Herz – Neue Haltung: die Gefühle werden reformiert

Bewegung – neues Tun (auch Kommunikation): das gesprochene Wort wird saniert

Form – neue Erkenntnis (auch Muster, Gewohnheiten):  der Habitus wird neu geprägt

Wenn Sie meinen Blog verfolgen, dann haben Sie schon viel über das „Lernen in der liegenden Acht“ gelesen. Es bringt Veränderung auf eine einfache Formel: Übe, Übe, Übe.  Es macht Menschen zu Übenden und zu Veränderungskünstlern. Wenn wir einen Blick in Unternehmen werfen, dann sind die Veränderungskünstler oft nicht beliebter als die bekannten Hungerkünstler, die in den Zirkussen meist nicht mehr waren, als eine „Attraktion auf dem Weg zu den Ställen“, zu den eigentlichen Attraktionen.

Der Aspekt, den ich aber heute diskutieren möchte, ist die Wiederholung. Die Wiederholung schafft Muster und Gewohnheiten, und ist somit das kulturprägende Element. So kommt es, dass die Wiederholung oft zur Katastrophe ausartet, nämlich immer dann, wenn wir das Falsche in unsere Wiederholungsreihen integrieren. Wahrlich bietet uns der Prozess der Enkultivierung eine Vielzahl kleiner und mittlerer Katastrophen an, die uns im Namen der Werte, der Tugenden und der heiligen Sitten prägen. Nicht selten wird dabei das Schlechteste für uns das Selbstverständliche, das wir nicht in Frage zu stellen wagen.

Die Wiederholung macht den Menschen einerseits zur billigen Kopiermaschine, die nachahmt, nachäfft, was im Namen der Kultur vorgelebt wird. Andererseits aber bietet gerade die Wiederholung auch eine große Chance an, den Mühen der Ebene zu entkommen und zu einem Artisten zu werden. In der liegenden Acht – die selbst ein Symbol der Wiederholung darstellt – durchlaufen wir immer auch den Quadranten der „Neuen Erkenntnis“. Genau hier treffen wir die Entscheidung zur Wiederholung! Wir können aber nicht nur entscheiden, ob wir die Wiederholung antreten oder nicht. Es liegt auch ganz an uns eine neue Ethik in diesen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen. Dabei möchte ich keiner wertegetriebenen Ethik das Wort reden, im Gegenteil. Ich sehe die Chance viel mehr in einer evolutionären Ethik, die auf ein dem Menschen innewohnendes intuitives Grundverständnis  zurück greift:

„Examine each question in terms of what is ethically right, as well as what is economically expedient. A thing is right when it tends to preserve the integrity, stability, and beauty of the biotic community. It is wrong when it tends otherwise.” (Zitat zu finden bei Aldo Leopold, A Sand County Almanac, auf Seite 262). Obwohl ich dieses Zitat erst kürzlich verwendet habe (Artikel: Was ist das neue Oben?) ist es hier erneut an der richtigen Stelle im Einsatz. Mehr Ethik brauchen wir nicht.

Wir bauen das neue Leben, das neue Wirtschaften, die nachhaltige Entwicklung auf dem Fundament der guten Wiederholung. Wiederholt wird nur, was der evolutionären Ethik entspricht. Neuerdings sind wir als Menschen zur Unterscheidung der Wiederholung aufgerufen. Um dazu überhaupt in der Lage zu sein, brauchen wir das „Schwert“, um uns von der Herrschaft der eigenen Gewohnheiten zu befreien („Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert“  – Matthäus 10, 34).  Und wie Peter Sloterdijk sehr treffen schreibt: „Die Klinge der Unterscheidung ist die Apokalypse, die jetzt geschieht oder nie.“

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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

1 Kommentar

  1. Hallo Peter,
    besonders gut gefällt mir: „Nicht selten wird dabei das Schlechteste für uns das Selbstverständliche, das wir nicht in Frage zu stellen wagen.“
    Also, immer wieder den Blickwickel ändern. Und „wiederholen“.
    Inetti

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