Home Blogartikel Europa, wach auf und lass die Frösche springen! Ganzheitlich nachhaltige Entwicklung

Europa, wach auf und lass die Frösche springen! Ganzheitlich nachhaltige Entwicklung

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Europa, wach auf und lass die Frösche springen! Ganzheitlich nachhaltige Entwicklung

by Heinz Peter Wallner

Mit ihrem Artikel „revolution of the people” hat mich Diana Ljubic wieder zum  Nachdenken gebracht. Ihr Artikel ist absolut lesenswert, weil er tief in die Situation der Welt eintaucht!

Zeit für die Entwicklung der Gesellschaft

Zeit für die Entwicklung der Gesellschaft

Oft schon habe ich geschrieben, dass wir vor einem großen Umbruch stehen. Es schien mir die einzig richtige Schlussfolgerung aus all meinen Beobachtungen zu sein, von einem Weltbildwandel der Gesellschaft auszugehen. Und ein Weltbildwandel zieht eine radikale Änderung nach sich, die Gesellschaft und Wirtschaft in sich verschlingt und neu zur Welt bringt. Schon in meinem Buch „Inseln der Nachhaltigkeit“ habe ich den Umbruch beschrieben und innerlich auch erwartet. Heute, zehn Jahre später, ist er immer noch nicht da. Haben wir zu wenige „Inseln der Nachhaltigkeit“, zu wenige positive Störungen in unser marodes Machtsystem eingebracht, um es ins Wanken zu bringen? Haben wir keine Alternativen?


Warum beginnt die Welt an so vielen Orten zu brodeln und beginnen die Menschen einen Umbruch unter vollem Einsatz ihres Lebens zu initiieren, nur um ein Stückchen einer besseren Welt zu erlangen? Warum aber bleibt Europa ein in sich geschlossener Kulturpalast, der nur zu wanken beginnt, wenn seine Geldelite gerade einmal eine feine Vibration verspürt? Es geht uns gut, auch wenn wir Schulden haben und auch wenn wir die Verluste jener abdecken, die die Goldbarren auf ihrer Seite haben. Wir leben im Überfluss, auch wenn es enger wird, wir leben in Frieden, auch wenn der innere Frieden dabei nicht gefunden wird. Verdammt, es geht uns gut.

Möge Europa seine Währung nicht halten können und mögen die sozialen Unruhen empfindlich zunehmen, wir leben in einem Zustand der Schonung und Bequemlichkeit, den niemand freiwillig verlässt. Europa ist ein Schlaraffenland für jene, die hier auf der richtigen Seite stehen. Bei weitem nicht für alle. Aber auch jene, die hier ausgegrenzt werden, stehen grossteils immer noch auf einem sicheren Fundament, auch wenn die relative Armut schmerzt.

Wenn wir den Blick über unsere Probleme erheben und auch die aktuellen Feuerstellen der Welt verlassen, dann wird und eines bewusst: Die ganze Welt ändert sich und wir alle zusammen – weltweit – stehen mitten in einem Übergangsraum, der uns alle Möglichkeiten bietet. Wenn wir dabei sind, uns vom alten System des Kapitalismus zu verabschieden, das Maschinenparadigma verlassen und in ein ganzheitliches Weltbild eintauchen, dann sind wir im Flow der Evolution, in der vollen Selbstorganisation des Bewusstseins.

Europa ist ein historischer Hexenkessel, der eben wieder aufgeheizt wird. Weil das Wasser langsam zu kochen beginnt, merken wir Frösche im Kollektiv gar nicht viel davon. Wir springen nicht raus (siehe dazu: Bleibt der Frosch sitzen?). Wir beobachten mit großem Interesse die springenden Frösche an anderen Orten der Welt und feuern sie an, endlich auf die Seite der Demokratie zu hüpfen, auch wenn es sie das Leben kostet. Wir beschäftigen uns vielerorts sehr intellektuell mit der Krise und den möglichen Systemänderungen. Die Geschichte aber wird von Gefühlen geschrieben (siehe Diana Ljubic’s Wertewerkstatt), die sich kollektiv erheben und ein mächtiges Feld aufbauen, dem keine Macht mehr etwas entgegen halten kann.

Die große Chance für eine bessere Welt liegt nicht so sehr im Umbruch an anderen Orten der Welt. Das ist eine förderliche und wünschenswerte Entwicklung. Aber was immer dort auch entstehen mag, es wird wahrscheinlich eine Kopie des alten Systems des Westens sein, in dem kaum mehr eine positive Kraft für die Zukunft steckt. Wenn alle Europa kopieren und an unseren Reichtum anschließen wollten, dann wird uns unser Planet in das sandige Element zurückführen. Auch wenn wir früher oder später alle wieder zu Staub werden, es muss im Kollektiv ja nicht schon morgen passieren.

Europa ist der Hexenkessel, dem noch die richtigen Zutaten fehlen, um zum Gebräu der neuen Welt zu werden. Petersilie wird das Kraut nicht sein. Mir scheinen Zutaten wie eine erfrischte Demokratie, eine nachhaltige Wirtschaft, eine faire, offene und menschliche Gesellschaft, eine neue Ganzheitlichkeit, Demut vor der Schöpfung, die Rückkehr zum Selbst und der Weg einer neuen Bescheidenheit einmal einen Versuch wert zu sein. Wenn wir das alles zu einer Melange verrühren, Glaube, Liebe und Hoffnung drüber streuen und uns von Machtansprüchen, Selbstverherrlichung, Finanzblasen, Egoismus, Dummheit und Entwicklungsverweigerung verabschieden, haben wir eine Chance. Wenn überhaupt eine Gesellschaft dieser Welt eine Chance hat, den Übergang in eine komplexe, ganzheitliche Gesellschaft zu vollziehen, dann sehe ich da nur Europa. Das mag wieder kontinentale Selbstüberschätzung sein, aber über diesen Tellerrand vermag ich nicht zu blicken.

Die Energie, die wir für einen solchen Übergang brauchen, kann sich nur aus einer Quelle speisen. Es muss uns die Selbsterkenntnis über unser überreiches Unglück zur Tat enthemmen (eine Reise ins Unwahrscheinliche). Wenn eine Gesellschaft so reich ist und viele ihrer Menschen gleichzeitig so unglücklich und auf Sinnsuche sind, dann muss sich daraus eine Übergangsenergie gewinnen lassen. Arme und Reiche jammern im Chor und beklagen das Leben. Wir beklagen den Regentag im südlichen Sommerurlaub, die eisigen Pisten im Wintersportort, den Druck und das Mobbing in der Firma, die verlorenen Euro in der Finanzkrise, den BMW, der heute wieder einmal nicht anspringen mag, den Wein der nach Korken schmeckt, die Gänseleber, die auch hätte zarter sein können, die Krankenkasse, die meine Kur nicht zahlen will und die ganze Welt, die mich unfair behandelt und den Bewusstseins-Sickerschlaf vor dem Fernseher mit unangenehmen Nachrichten unterbricht.

Europa wach auf! Wir haben das Wissen, wir haben die Menschen mit Herz, wir haben das Bewusstsein und jene Pioniere, die sich auf den Weg gemacht haben. Wir haben die Chance und können sie nutzen. Europa hat alle Schatten und Lichtseiten durchlebt. Warum sollte dieses Europa, nach all seinem Elend der letzten Jahrhunderte und nach all seinen Erfolgen der letzten Jahrzehnte nicht in der Lage sein, ein neues System zu gebären, das der Welt wieder eine Zukunft gibt? Europa ist längst schwanger. Wir wissen nur nicht, was da die Welt erblicken wird. Vielleicht ist es ja die Heiterkeit des Lebens, dem keine Macht mehr entgegen steht.

Herzlich,

Ihr Heinz Peter Wallner



Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

8 Kommentare

  1. Mir gefallen Ihre klugen Beitrage, die ich vor einiger Zeit entdeckt habe. Auch in diesem Essay ist der Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen.

    Doch „Warum sollte dieses Europa, nach all seinem Elend der letzten Jahrhunderte und nach all seinen Erfolgen der letzten Jahrzehnte nicht in der Lage sein, ein neues System zu gebären, das der Welt wieder eine Zukunft gibt?“ Warum sollte Europa dieses „neue System“ gebären? Europa ist ein Teil von dem grossen ganzen, das wir Erdbewohner locker leicht „Welt“ nennen. Mir scheint, die Zeit für ein „gemeinsam“ für „Gemeinsamkeit“ hat bereits begonnen. Und ich bin sicher, dass „die Welt“ bereits fleissig dabei ist, sich ein „neues System“ zu geben. Und mit dem Internet geht das ein klein wenig schneller als zu Zeiten von Columbus‘ und Co., sich nun endlich gemeinsam zum Wohle aller weiterzuentwickeln.

  2. Sehr geehrte Frau Dohna, besten Dank für Ihr Feedback zum Artikel und Ihren Kommentar – das freut mich sehr! Mir gefällt Ihre Perspektive des „Gemeinsamen“. Vielleicht muss ich meinen Tellerrand doch über Europa hinaus erweitern, wenn ich über ein „neues System“ nachdenke 🙂 Danke für die Inspiration!

  3. Haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag; Sie haben mir die Gelegenheit gegeben, nochmals über das der Welt gemeinsame Überlebensthema nachzudenken. Und mein Wünsche und Hoffnungen „an die Welt“ stabilisierenn sich.

    They say „A family is only as strong as its commitment to togetherness.“

    This World is only as strong as its commitment to togehterness.

  4. Danke für den interessanten Artikel 🙂

    dieser Gedanke gefiel mir besonders gut:
    „Mir scheinen Zutaten wie eine erfrischte Demokratie, eine nachhaltige Wirtschaft, eine faire, offene und menschliche Gesellschaft, eine neue Ganzheitlichkeit, Demut vor der Schöpfung, die Rückkehr zum Selbst und der Weg einer neuen Bescheidenheit einmal einen Versuch wert zu sein.“

    Aber das mit der Weiterentwicklung von Europa als Ganzes wage ich sehr zu bezweifeln, ich denke das die künstlich zusammengeschusterte EU nach der Euro-Rettung wieder zerfallen wird und es kann sogar sein, das die BRD zerfällt – ich denke dabei an die großen Unterschiede bei den Schulden bzw. daß wir Bayern und natürlich auch andere Bundesländer, wenig Lust haben für die Schuldenhochburgen Berlin usw. gerade zu stehen. Bin gespannt wie das einmal konkret abgewickelt wird.

    Wo ich wirklich ein Potential sehe, ist das Internet. Das bietet wirklich sehr gute Möglichkeiten, dafür daß mündige Menschen sich zusammenfinden und gemeinsam eine neue Gesellschaft aufbauen.

    Das wird wohl sogar weltweit stattfinden, daß sich mündige Menschen, die eine gemeinsame Sprache sprechen (Englisch) zusammentun und sich gemeinsam weiterentwickeln, virtuelle Entscheidungsplattformen aufbauen und dort via direkter Demokratie globale Probleme lösen. Was spricht dagegen ? Alles ist möglich, wenn wir bereit sind das Notwendige zu tun!

  5. Lieber Martin,
    danke für Deinen Kommentar. Deine Fragen werden mich und wohl auch uns beide hier und auf Deinem Blog http://www.onlinetechniker.de/ noch lange beschäftigen. Welche Rolle dabei das Internet übernehmen wird, kann ich noch schwer fassen. Wenn eine solche Komplexität durch Vernetzung und Kommunikation entsteht, dann dürfen wir sicher gespannt sein, ob sich die Evolution hier mit ihren Kräften einmischt. Was kann die Selbstorganisation da hervor bringen? Welche Emergenzphänomene könnten das sein? Ich weiß nicht einmal, worauf wir da achten sollten.
    Ich freu mich auf spannenden Zeiten hier mit spannenden Menschen 🙂
    Danke, herzliche Grüße, Peter

  6. Lieber Heinz Peter,
    ja, wir sollten definitiv das Potential haben, mit vielen Stimmen gemeinsam zu einem besseren, sinnvolleren Leben zu kommen. Ich bin seit einigen Monaten auch auf diese Suche gegangen und habe noch gestern auf meinen Blog formuliert:
    „Manche haben mich einen Gutmenschen geheißen, was sich negativ angehört hat. Ich werde mich aber dafür nicht schämen! Im Gegenteil, eher sollten sich die Bösmenschen als auch die Mir-ist alles-egal-weil-ich-doch-nichts-ändern-kann Gedanken machen, ob ein Gutmensch-Dasein nicht doch die positivere Alternative ist. Denn auch hier gilt die selbsterfüllende Prophezeiung: es wird eher das eintreten, was die Grundstimmung ist.
    Und ich sehe immer mehr, die bemerken, dass wir gemeinsam anpacken können und den Tanker in die gute Richtung bewegt bekommen. Also packen wir es an, denn wir sind doch faszinierende Wesen, mit viel Intelligenz ausgestattet. Wir müssen sie nur mehr zum Guten einsetzen! Also zu Gutmenschen werden!“
    Und ich bin sicher, dass das Internet uns die notwendige Flüssigkeit bietet, unsere Gedanken schneller auszutauschen und damit zur Aufklärung 2.0 gelangen.
    Viele Grüße, Martin

  7. „…Ich weiß nicht einmal, worauf wir da achten sollten.“

    Lieber Herr Wallner, …ich kann mir gut vorstellen, dass „wir“ mit Gelassenheit und Zuversicht, ebenso wie mit der jederzeit abrufbaren Bereitschaft zum Handeln, „darauf achten“ werden, dass wir den jeweiligen Moment erkennen, wo wir zum einen geschehen lassen und zum anderen uns engagieren werden. Und so gehen wir mit offenen Augen am Ufer des Lebensflusses entlang, schwimmen gleichzeitig in ihm 🙂 und sind bereit, ihn fliessen zu lassen – dabei akzeptierend und begeistert davon, dass Flüsse eventuell ab jetzt nicht mehr blau sind , sich absolut ungewohnt scheinende Wege bahnen, und vielleicht sogar das Wasser mal aufwärts statt abwärts fliesst. 🙂

  8. Liebe Frau Dohna, lieber Martin, vielen Dank für die Kommentare und die inspirierenden Denkanregnungen. Von Ihnen Frau Dohna nehme ich die nicht-wertende Gelassenheit und lasse den Fluss des Lebens zu mir sprechen. Von Dir Martin lasse die Aura des „Gutmenschen“ auf mich wirken und freu mich auf einen Sternschnuppenregen voller Hoffnungen. Und wenn das Internet eine Flüssigkeit ist, dann beginne ich zu glauben, dass Wasser manchmal aufwärts fließen kann 🙂 – herzlich erfreute Grüße, Heinz Peter PS: Und jetzt mache ich noch einen Spaziergang in Achterschleifen. Das ist die heiterste Form der Reinigung 🙂

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