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Schwärmen für Veränderung und der Schutz der liegenden Acht

Aus unseren Regeln spricht die Angst vor der Veränderung. Unsere Kultur zwingt Irritation in die Knie (Zitat aus Twitter: @hpwallner)
Schwärmen für Veränderung - train the eight - 2010

Schwärmen für Veränderung - train the eight® - 2010

Ich liebe Veränderung. Da ist was Wahres dran. Es fällt mir viel leichter, immer wieder neue Dinge zu probieren und zu experimentieren, als mit großer Konsequenz das eine Ding zur Perfektion zu bringen. Dabei gibt es aber ein Ziel in meinem Leben, das mir intuitiv als das Wichtigste vorkommt und, das auf den ersten Blick, dem Wesen der Veränderung zu widersprechen scheint. Es heißt einfach „Meisterschaft“. Was aber kann Meisterschaft für mich – für uns – „Menschen der Veränderung“ bedeuten? Kann ich und können wir die Veränderung selbst zur Meisterschaft bringen? Nach einiger Zeit ist es mir sonnenklar geworden. Es gibt für mich überhaupt nur eine relevante Meisterschaft und die heißt Veränderung. Sie heißt auch Entwicklung. Sie heißt auch Lernen und meint, Lernen mit Veränderung umzugehen, bzw. auf sehr große Veränderungen, die uns Menschen bevorstehen, vorbereitet zu sein. Dabei kann „train the eight®“ – das Lernen in der liegenden Acht – einige Hilfe bieten und so etwas wie Schutz gewähren.


Widerstand am Weg zur Meisterschaft

Ich liebe Veränderung. Da ist was Wahres dran, sagte ich. Die ganze Wahrheit ist aber, ich liebe Veränderung nur in den Bereichen des Lebens, die ich zu angstfreien Räumen gemacht habe; dort, wo ich die Spielarten der Veränderung kenne und spielerisch begreifen kann. Und was ist mit allen anderen Räumen? Spare ich mir diese für später auf? Nun, ich arbeite daran, die nächste Tür zu öffnen. Hier eine kleine Geschichte aus meinem Leben: Immer wieder frage ich mich in vielen Situationen in meiner Arbeit als Organisationsberater, der Veränderungsprozesse begleiten darf, warum so viele Menschen einer neuen Entwicklung derart skeptisch gegen über stehen. Wo ich doch in mir selbst die Neugier und Freude spüre, auf etwas Neues, Spannendes, Unerforschtes zuzugehen. Und tief verwurzelt in diesem Glauben ertappte ich mich vor kurzer Zeit gerade selbst erneut dabei, wie ich ein neues, etwas weit aufgespanntes Ziel, widerstrebend ablehnte und lieber zu bekannten Ufern „aufbrechen“ mochte. So passiert auf einem Schiff in Kroatien, auf dem ich mit meinem Sohn eine Woche verbracht habe. Er der junge Wilde, der unerschrocken und voller Begeisterung ferne Ziele auswählt und diese fordernd an mich heranträgt. Ich, der alte Skipper, der viele Gefahren sieht und Verantwortung wahrnimmt, lehnte das ferne mir unbekannte Ziel ab und plädierte für ein schon bekanntes. Meine Argumente waren flach und ich redete vom schlechten Wetter und allerlei anderem Zeug. All mein Reden entsprang der Angst. Diese neue und gleichzeitig alte Erkenntnis hat mich seltsam verwundet. Plötzlich habe ich sie alle wieder verstanden. All die Zauderer und Bremser, die ihre Leinen niemals für eine Weiterfahrt losmachen wollen, denen kein neues Ziel Freude ins Herz bringen kann und die Begeisterung nur mehr vom Hörensagen her kennen. Im Augenblick der Überforderung kommt der einzig wahre Feind ins Spiel, der schon so viele Entdeckerreisen zu früh beenden hat lassen, der Menschen in der Entfaltung ihrer Talente und in ihrer Entwicklung auf traurig niedrigem Niveau festnagelt: Es diese dämliche, sündige Angst. Wenn überhaupt etwas sündig sein kann, dann aus meiner Sicht nur die Angst. Was sind dagegen schon Zorn, Hochmut, Wollust, Trägheit, Völlerei, Habgier und Neid, die wir in unserer hochkultivierten Welt als die sieben Todsünden bezeichnen?

Es hat mich mit innerer Freude erfüllt, als ich nach einer kurzen Zeit wieder mehr Vertrauen in meine frischen Kenntnisse der Navigation entwickeln konnte, das Schiff mit mir eine tiefere Beziehung einging, das Wetter mich wärmte und diese elende Angst langsam von mir abfiel. Was hätte ich alles nicht erleben dürfen, nicht sehen und nicht in mich aufnehmen können? Beispielsweise zwei Delfine in nur fünf Meter Entfernung und den bisher strahlendsten Regenbogen. Die neue Erkenntnis hat mir aber auch wieder klar gemacht, wie allumfassend die Angst uns Menschen ergreifen kann, wie nahe sie immer um uns kreist und uns in jedem Augenblick mit voller Bitterkeit auf den Boden unserer erfundenen Realitäten, die wir irrtümlich für Grenzen halten, zurückholen kann. NovizInnen der Veränderung müssen daher ihre Angst besiegen.

Schutz mitten in der Veränderung

Seit ich mit der liegenden Acht meine persönliche Meisterschaft in der Veränderung anstrebe, fühle ich mich sicherer. Veränderung wird mir immer klarer und langsam zur Selbstverständlichkeit. Für mich ist es ein „In-Resonanz-Kommen“ mit Veränderung. In diesem Schwingen im Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus steckt so viel drinnen, was ich selbst erst schrittweise zu erkennen vermag.

Persönliche Entwicklung - train the eight - 2010

Persönliche Entwicklung - train the eight - 2010

Das Wertvollste aber ist die Sicherheit, das Vertrauen, das aus einem Verständnis von Veränderung erwächst. Die liegende Acht bietet mir Schutz in Zeiten der Veränderung und sie hilft, die Angst vor neuen Zielen zu reduzieren. Es geht in kleinen Schritten voran. Schwingen lernen, das Leben in Bewegung bringen und die „Pulsfrequenz“ langsam erhöhen. Am besten wohl der Erde und Gregg Braden folgend von 8 auf 13 Herz, aber davon ein andermal mehr. Der Zyklus ist einfach und dennoch komplex genug. Es beginnt alles mit dem „Neuen Denken (GEIST)“. Es reicht der eine Millimeter über dem äußeren Rand meines bekannten Geistes, gefolgt von einer „Neuen Haltung (HERZ)“, in der ich das aufkommende Gefühl wahrzunehmen und auszukosten versuche, was immer es mit sich bringt. Und wenn es nur meine ungeliebte Angst ist, so ist die einzig wichtige Frage: Was löst das in mir aus? Safi Nidiaye würde fragen: Kannst du dein Herz für dieses Gefühl öffnen, auch und gerade dann, wenn du es ablehnst? Was kommt in Resonanz, was verstimmt sich? Auch wenn das „Herz-Öffnen“ eine schwierige Übung ist, die meist nur in kleinen Schritte gelingt, kann ich mit diesem Gefühl – mit dieser neuen Haltung mir selbst gegenüber – in eines „Neues Tun (BEWEGUNG)“ übergehen und mich ein Stück weit enthemmen. Was immer in diesem neuen Tun auch passiert, es wird etwas Neues entstehen und ich werde mich ein Stückchen weiter entwickeln. Wie weit ich kommen konnte und was dabei das Wichtige für mich war, erfasse ich in der „Neuen Erkenntnis (FORM)“. Was hat mir Freude bereitet? Ist mir klarer geworden, was ich wirklich, wirklich will? Womit gehe ich mutig in die Wiederholung? Es ist am Ende jedes Zyklus die Entscheidung für die gute Wiederholung erforderlich. Ohne Wiederholung keine Meisterschaft, keine Entwicklung, kein Lernen. „train the eight®“ – wie ich das Lernen in der liegenden Acht nenne –  bietet also auch eine Art Schutz für die Menschen, die Veränderung mit Angst verbinden, die sich scheuen, ihre bekannten Ufer zu verlassen, weil … und hier gibt es 1001 Gründe in den Tiefen der Nacht …., weil einfach jede Veränderung mit Leid verbunden ist. Wer aber Veränderung zur Meisterschaft bringt – und dafür gibt es für uns Menschen viele gute Gründe – der kann mit dem Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus erfahren, dass jedes Leid, durch Veränderung hervorgerufen, am Ende des Tages nach Schokoladenkuchen schmeckt. Und noch was: Ich schwärme für Schokoladenkuchen und für Veränderung.

herzlich,

Ihr Heinz Peter Wallner


Heute eine besondere Buchempfehlung:

Capital Wor(l)ds: Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung – von Sylvia Amstadt

„Der hoffende Mensch steht im Mittelpunkt von Sylvia Amstadts „Capital Wor(l)ds“. Der mit sich und der Welt kämpfende Mensch, der nach Versöhnung sucht und sein Vertrauen anbietet, weil er selbst niemals genug davon haben kann.  Ihre Texte sind eine würzige Mischung aus gesellschaftskritischer, aber auch gesellschaftsfähiger Poesie. Sie jongliert mit Worten, sie lässt sie in die Herzen der Menschen tanzen, mal mit zarter Ironie, mal mit mitreißendem Tiefsinn …“

Eine kleine Inspiration einer Künstlerin:

Das Atelier von Dodo Kresse in Wien

Orange, Nilgrün und das durchsichtige Blau der Augen der Dichter.
Die Kreise tanzen am Klavier, der Wein wartet – überschäumend vor Übungslust, sing mir ein Lied und dann male…


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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

6 Kommentare

  1. Lieber Peter, danke für das Teilen dieser privaten Erlebnisse auf dem Boot. Ein feiner Beitrag. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch und die entspannte Zeit auf der IdeenAlm! LG Hannes

  2. Heinz Peter Wallner 8. August 2010 um 17:28

    Lieber Hannes, danke Dir für den Kommentar. Mein Blog braucht auch mal was Persönliches 🙂 Freu mich auch auf die Ideenalm! Lass uns nächste Woche einen Termin fixieren. Liebe Grüße, Peter

  3. Danke für diesen spannenden persönlichen Beitrag und der Bezug zu den Totsünden. Die Angst ist immer Ausdruck einer Entfremdung und damit Türöffner für all das was uns zu einem nicht authentischen Leben führt. Evagrius hat die 8 Totsünden schon im 3. Jh. verschriftlicht, da er darin die Prüfmale für jeden Menschen und natürlich besonders als Mönch gesehen hat. Es sind diese Anfeindungen der Dämonen (heute ersetzt man Dämonen wohl – aber ich lasse es lieber stehen) die die uns von uns selbst, den anderen und Gott entfremden lassen. Sie tarnen sich als kleine Schwächen, Allüren und Neigungen die in Ihrer Maßlosigkeit den Menschen die sich unreflektiert immer mehr auswachsen und uns letztlich entfremden lassen. Hier gibt es jahrtausendalte mönchische Tradition im Kampf mit den Dämonen – und das in allen Religionen.

    Ich möchte gerne noch einen zweiten Gedanken anfügen. Du schreibst von der Liebe zur Veränderung. Veränderung und Stabilität werden gerne als Paar verwendet, da sie Freiheit und Sicherheit als Horizonte aufweisen. Sie sind die Brennpunkte der liegenden Acht. Was die liegende Acht ausmacht ist diese zu verbinden, die liegende Acht wird damit für mich zum Symbol für die Verantwortung. Nur die Freiheit in Verantwortung und die Veränderung in Verantwortun kann ein „gutes“ Leben bringen – auch wenn wir in unserem Geworensein in diese Welt nicht wissen mögen wo wir stehen. Damit wird die liegende Acht auch ein Symbol für die große Veränderung in unserer Gesellschaft weg von einem rein vorwärtsdrängenden jugendlichen Veränderungsbegriff hin zu einem verantwortenden erwachsenen (im Sinne der Transaktionsanalyse) Verändern hin zum Selbst, dem Anderen, und für die Gläubigen Menschen hin zu Gott.
    Das ist mir erst durch Deinen Artikel klar geworden. Danke!

  4. Lieber Heinz Peter,

    ein wundervoller Artikel, den ich so ausdrucken, unterschreiben und versenden möchte, damit ein jeder davon profitieren kann und seine eigenen wichtigen Botschaften daraus zieht.

    Ich persönliche freue mich schon, was ich demnächst unter train the eight finde.

    In diesem Sinne cre(eight) your life….

  5. Heinz Peter Wallner 7. November 2010 um 12:19

    Liebe Kerstin Schmidt,
    cre(eight) your life – das klingt gut, herzlichen Dank!
    Ich freu mich sehr, wenn Dir der Artikel gefällt und wenn Du ihn weiter weiterempfiehlst.
    Deine Website: http://www.reiki-siegen.de/ ist ebenso spannend und sehr klar. Hätte auch gerne einen „Meisterplatz“.

    „train the eight“ ist ein sehr großes Projekt; es sind viele Dienstleiser am Werk und es braucht viel Zeit. Aber jetzt müsste es wirklich bald so weit sein, um online zu gehen. Wir werden sehen 🙂

    Danke und alles Liebe,
    Heinz Peter Wallner

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