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Stakeholderdialoge und Stakeholdermanagement – Über Spannungsquellen, die es zu suchen lohnt

Unsere Kommunikation ist verantwortbar, wenn wir dadurch im Rahmen der Gesellschaft Gemeinschaft ermöglichen und lebendig halten“ (A. Ziegler)

train the eight Kresse-Wallner

train the eight Kresse-Wallner

Die Unternehmen sehen sich mit einem neuen Weltbild konfrontiert, in dem Kooperation und gelingende Beziehungen zunehmend wichtiger werden als Wettbewerb und Abgrenzung. Mit zwei Zitaten von Johannes Bauer, einem deutschen Neurobiologen, lässt sich das neue Denken beschreiben:  „Nicht der Kampf ums Dasein, sondern Kooperation, Zugewandtheit, Spiegelung und Resonanz  sind das Gravitationsgesetz biologischer Systeme“ und „Menschen wollen eine Gemeinschaft aufbauen, in der sie ihre Sehnsüchte und Gefühle einbringen und spiegelnd erwidert bekommen“. Unsere bewährten aber in die Jahre gekommenen Wirtschaftsprämissen „Survival of the Fittest“  und „Struggle for Life“,  die wir von Charles Darwin & Co abgeleitet haben, verlieren angesichts neuer Erkenntnisse ihren Zauber und somit ihre Wirkung.

Nach meiner Interpretation wird es mittelfristig ohne gelingende Beziehungen – im Unternehmen und nach Aussen zu den Stakeholdern – keinen wirtschaftlichen Erfolg mehr geben. Die viel diskutierte Kooperation und vor allem das neue Networking werden wichtiger als der Wettbewerb. Unternehmen machen sich auf die Suche nach gemeinsam getragenen Lösungen, dem Common Ground, mit kritischen Anspruchsgruppen, die sie bisher für unbedeutend gehalten haben. Damit einhergehen sehe ich die „open mind“ and „open source“ Entwicklungen, die zu Quellen der Inspiration und der Zukunftsfähigkeit werden.

Innovative Unternehmen öffnen sich und gehen in einen neuen Dialog

Was braucht es für die Initiierung eines Stakeholderdialogs? Man nehme ein Gespür für die Entwicklungen der Zeit, den Mut, sich den kritischen Fragen einer Öffentlichkeit auszusetzen und die Energie, aus den Spannungen neue Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Und was es noch braucht ist das Vertrauen in die Menschen und in eine gute Zukunft, sonst bräuchte ja niemand einen solchen Dialog zu beginnen. „Vertrauenswürdige Kommunikation ist lebensnotwendig – aber wir müssen sie lebenslang lernen“ meint Albert Ziegler. Das gilt nicht nur in Beziehungen sonder auch in Unternehmen. Ein Stakeholderdialog ist keine einfache Sache, die ein Unternehmen einfach so ohne Übung kann. Vielmehr muss die Dialogkompetenz erst aufgebaut und durch ständiges Lernen weiter entwickelt werden.

Stakeholderkommunikation als Aporie

In der Stakeholderlandschaft jedes Unternehmens gibt es Stakeholdergruppen, die innerhalb der Gesellschaft gänzlich andere Funktionen zu erfüllen haben, als dies ein (besonders: börsennotiertes) Unternehmen hat. Betrachtet man die wirtschaftlichen Aktivitäten und deren Wirkungen einmal aus einer unternehmerischen Perspektive (die Eigenperspektive) und einmal aus der Fremdperspektive der Stakeholder, so wird leicht erkennbar, dass wir hier Spannungsfelder vorfinden, die in dieser Konstellation bereits systemimmanent – sozusagen vorprogrammiert – sind. Jede Stakeholderarbeit muss sich also in einem Spannungsfeld bewegen, unterschiedliche Ansichten erkennen und zulassen und daraus eine gemeinsame Entwicklung einleiten.

Weil in diesem Fall immer beide Seiten aus ihrer Perspektive grundsätzlich recht haben und die möglichen Lösungen stark voneinander abhängen, finden wir hier einen sogenannten aporetischen (nicht auflösbaren) Konflikt vor. Das Ziel der Stakeholderarbeit kann es also nur sein, diese Konflikte und Spannungsfelder für alle erkennbar, verstehbar und handhabbar zu machen. Es geht nicht um eine schnelle Lösung des Konfliktes, weil das per se nicht möglich ist, sondern vielmehr um einen gemeinsamen Entwicklungsweg. Der Weg ist in einem gemeinsamen Prozess des wachsenden Verstehens zu definieren und konsequent zu beschreiten.

Mit dem Konzept „Lernen in der liegenden Acht“  (train the eight) können wir diese Spannungsfelder – in denen sich Unternehmen befinden – darstellen und bearbeitbar machen. Alle Unternehmen sind im Umgang mit Aporien geübt, weil wir sie in vielen Formen vorfinden (Beispielsweise in der Distanz-Nähe-Aporie zwischen MitarbeiterInnen und Führungskräften, oder in der Vertrauens-Aporie im Wechselspiel zwischen Hierarchie und Selbstverantwortung). Die Stakeholderarbeit aber macht ein neues Spannungsfeld transparent, das auch in der Folge konsequent in einem Stakeholdermanagement bearbeitet werden muss.

Mehr über Aporien in meinen Artikeln „Eine Gedankenkette vom Wandel zum Mitarbeitergespräch und zurück“  und „Herrliche und wilde Kräfte der Führung

In der liegenden Acht von „train the eight“ (Geist-Herz-Bewegung-Form  meint Neues Denken-Neue Haltung-Neues Tun-Neue Erkenntnis) sieht das dann so aus:

train the eight - Aporie in der Stakeholderarbeit - Wallner

train the eight - Aporie in der Stakeholderarbeit - Wallner

In unserem neuen Trainingsprogramm für Führungskräfte mit dem Titel „train the eight“ (ab Mai 2010 auch online) bieten wir ein Modul „Nachhaltigkeit und CSR“ an. In den Umsetzungsmodulen geht es genau um diese Fragen: Wie können wir den Stakeholder-Dialog als Kommunikationsraum zu einer Enklave eines neuen Denkens und somit des nachhaltigen Erfolges für das Unternehmen machen?

Was passiert, wenn sich Unternehmen dem Stakeholder-Dialog entziehen?  „Alles Entscheidende entsteht trotzdem, Cooper“, sagte Edu Art und nickte dazu. „Nietzsche?“ (Zitat aus: Das LILA Management Prinzip).

Ich wünsche uns allen viele sehr lebendige Stakeholderdialoge, die uns inspirieren und gemeinsam weiter bringen!

Ihr Heinz Peter Wallner


Mehr über CSR und Stakeholder-Dialoge:

respACT – austrian business council for sustainable developmentCSR Leitbild

UN Global Compact über den Stakeholderdialog

Der CSR Stakeholder-Dialog auf Twitter

CSR und die wilden Kräfte – Blogbeitrag

Der Traum will wiederholt geträumt werden – Blogbeitrag

Erinnerung an unser drittes Sustainability Cafe in Wien – da war wirklich viel Spirit zu spüren!

Ausgewählte Tweets:

Um die Wahrnehmung  zu schärfen sehen wir zumindest zwei wertvolle Ansätze http://tr.im/Pe1J   #Führung #Mitarbeitergespräch #ganzheitlich

Durch dieses „in der Schwebe halten“ des Widerspruches können wir die enthaltene Spannung für eine Transformation auf eine neue, höhere Ebene nutzen.

Demnach ist Bewusstsein keine passive Eigenschaft, es ist ein aktiver Motor von Entwicklung http://tr.im/Pe1J   #Führung #Mitarbeitergespräch #ganzheitlich

Vertrauenswürdige Kommunikation ist lebensnotwendig – aber wir müssen sie lebenslang lernen – eben bei A. Ziegler gelesen.

Die Freude des Schenkens ist die Vollendung der Kommunikation (A. Ziegler)

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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

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