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Zwischen Steigerung und Ankunft finden wir Nachhaltigkeit (Sustainability)

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Zwischen Steigerung und Ankunft finden wir Nachhaltigkeit (Sustainability)

by Heinz Peter Wallner

Dass ich Nachhaltigkeit als Folge eines ganzheitlichen Denkens, eines neuen Welt­bildes sehe, meint nicht, dass ich an ein Ende der Steigerung selbst glaube oder das für notwendig erachte. Hierzu gibt es keine Anzeichen – im Gegenteil, in vielen Be­reichen der Wirtschaft scheint die Steigerung neue Dimensionen anzunehmen (Siehe dazu das Buch von Gerhard Schulze: Die beste aller Welten). Einzig die Krise, die 2008 ihren Anfang nahm, kann die Steigerung real dämpfen, kaum aber den Wunsch nach Steigerung in den Köpfen der Menschen. Steigerung dürfte sich zu einem der stärksten Denk- und Handlungsmuster in den Menschen „im Westen“  entwickelt haben; es war wohl der unglaubliche Erfolg der letzten Jahrzehnte, der die Wege der Steigerung so breit wie Autobahnen machte.  Die anderen Wege, die es auch gibt, finden keine Beachtung, weil sie im Vergleich nur den Anschein von Spazierwegen haben.

Die  „neue Steigerung“ selbst wird jedoch neue Qualitäten annehmen und viel selektiver werden müssen. Nicht alles darf und kann der Logik der Steigerung weiterhin unterliegen. Wohin das führt hat Tom Friedman in „Hot, Flat, and Crowded: Why We Need a Green Revolution“ aufgezeigt. Auch wenn er damit nicht der erste ist, so wird doch seine Botschaft stärker wahrgenommen werden.

Diese neue, angepasste Form der Steigerung nennen wir nachhaltige Entwicklung. Sie orientiert sich wieder am Leben, am Menschen, an der Natur, am Planeten und seiner Evolution.

  • Nachhaltige Entwicklung meint eine neue Welt der Steigerung, ganz im Sinne einer Erweiterung unseres Möglichkeitsraumes und unseres Geistes. Es wird Bereiche einer angepassten und selektiven Steigerung geben.
  • Nachhaltigkeit hingegen ist der Ausdruck einer neuen Welt der Ankunft und Folge des ganzheitlichen Weltbildes der Gesellschaft. Nachhaltigkeit meint Leben und Wirtschaften innerhalb vorhandener, bereits geschaffener Möglichkeitsräume.

(aus: Business Agenda 21, 2004, oekom, von Wallner, Schauer, Kresse)

Die nachhaltige Entwicklung (sustainable development) bringt zwar neue Wertigkeiten, neue Visionen, neue Leitbilder und mehr Bewusstsein der Menschen, aber sie braucht keine neue Logik des Denkens. Steigerung bleibt Steiger­ung, Entwicklung bleibt Entwicklung, auch wenn sich die Qualitäten und deren Maßzahlen ändern.

 

Nachhaltigkeit (sustainability) hingegen braucht neben dem neuen Weltbild (oder einem Weltenraum) auch eine neue Logik des Denkens. Wie kann „es“ besser werden, wenn nicht „mehr davon zu haben ist“? Diese Nachhaltigkeit zu erkennen, ist eine komplexe Aufgabe, die Zeit, Kraft und Gewahr­sein in hohem Maße erfordert. Nachhaltigkeit hat sehr viel mit „Sein“ zu tun, während nachhaltige Entwicklung mehr das „Werden“ darstellt. Es wird also nicht ein vom „Sein zum Werden“ geben, sondern ein „Sein und Werden“, zeitgleich, parallel, gleichwertig.

Die Zukunft bringt uns eine Welt, in der die nachhaltige Entwicklung und die Nach­haltigkeit parallel, ohne in Opposition zu stehen, in einer friedlichen Koexistenz ge­deihen.

Das Projekt der Steigerung (im Sinne von Wachstum) als unser wichtigstes und lebenserfüllendes Projekt im Westen (und bald auf der ganzen Welt?) ist also noch lange nicht zu Ende. Dieses ständige „Werden“ wird aber vom neuen Projekt der Ankunft begleitet, das es in Zukunft ergänzen wird. Die Ankunft ist ein Projekt des „Seins“, wie von Gerhard Schulze (in: Die beste aller Welten) treffend beschrieben, und wir betrachten sie als das wichtigste globale Generationenprojekt. Nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeit (sustainable development & sustainability) ist somit jene neue, hoch intelligente Entwicklungsform, die sich wieder am Leben orientiert und die nach Jahrzehnten der unreflektierten Steiger­ungswirtschaft Platz greifen wird. Je tiefer wir in die Krise schlittern, umso größer die Chance für diese neue Form der Wirtschaft?

Wenn wir die Begriffe Steigerungswirtschaft und Nachhaltigkeitswirtschaft verwen­den, meinen wir folgendes:

  • Steigerungswirtschaft:
    Die heutige, nicht-nachhaltige Wirtschaft, die unreflektiert die Steigerung zum Kredo erklärt hat. Es ist dies das bekannte „Business as usual“. Diese Wirt­schaftsform entspringt dem mechanistischen Weltbild unserer Gesellschaft, wie es bis heute vorherrschend war.
  • Nachhaltigkeitswirtschaft:
    Die zukünftige Wirtschaftsform einer Gesellschaft mit einem ganzheitlichen Weltbild, die Bereiche der Steigerung als nachhaltige Entwicklung und Bereiche der Ankunft als Nachhaltigkeit als zwei tragende Säulen hervorbringt. Diese Wirtschaft ist im Entstehen.

Beim Versuch, diese neue Welt der Nachhaltigkeitswirtschaft zu betreten, scheitern wir derzeit noch erfolgreich an der Übermacht der Steigerungswirtschaft. Obwohl die Nachhaltigkeitswirtschaft längst erste kristalline Formen angenommen hat und sich beginnend globalisiert, wird sie immer noch wenig wahrgenommen. Vielleicht ist die­ses Dasein im Nebel des kollektiven Denkens und Wahrnehmens ein großes Glück, vielleicht kann die Nachhaltigkeitswirtschaft fast unbemerkt eine zweite tragende Säule werden, ohne dem massiven Widerstand der reinen und mächtigen Steigerungs­wirtschaft ausgesetzt zu sein.

(Quelle: Business Agenda 21, oekom, 2004, Heinz Peter Wallner, Kurt Schauer, Dodo Kresse)

Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

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