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Heureka, ich bin UnternehmerIn! Warum auch nicht?

Ohne Erfolgswahn kein Projekt; ohne Projekt keine Chance, andere mit dem eigenen Fieber anzustecken (Peter Sloterdijk) – in diesem Sinne ein Danke an Hannes Offenbacher und Luca Hammer für diese neue Initiative!

Bloegger Entrepreneurship Blog Parade 2010

Bloegger Entrepreneurship Blog Parade 2010

Hier der Link zur Blog Parade.

Was macht den Unterschied?

UnternehmerInnen unterscheiden sich genetisch genau so viel bzw. genau so wenig vom Affen wie alle anderen Menschen auch. Angeblich sind 98% des Genmaterials der Affen identisch mit dem der Menschen, egal ob sie UnternehmerInnen sind oder nicht. Der Unterschied zwischen den Menschen, die lieber für sich selbst arbeiten und jenen, die es lieber für andere tun, muss also anderswo liegen und sehr fein sein. Darüber wurde aber schon viel gedacht und geschrieben. Eine Spur, die uns näher an diese Unterschiede führen kann, finden wir in der Interpretation der Worte für unser Leben. Hier ein paar einfache – vielleicht sogar zu einfache – Beispiele.

Der Umgang mit Freiheit:

Für die UnternehmerInnen ist Freiheit ein kostbares Gut, für die anderen eine Last, weil sie ständig zur Entscheidung aufruft und diese Wahl bekanntlich zur Qual werden kann. Freiheit kann zur Angst  werden, weil sie Auswege aus der göttlichen Ordnung der Hierarchie aufzeigt. Der Knecht, reimt Heine, singt gern ein Freiheitslied des Abends in der Schenke. Tagsüber will er klare Anweisungen haben. Aber erst am Freiheitsbegriff von Aristoteles erkennt man den wahren Unternehmer / die wahre Unternehmerin aus der Zeit der Industrialisierung. Freiheit war für Aristoteles das Vorrecht der BürgerInnen, sich auf dem Rücken der SklavInnen der Muße hinzugeben. Aber ist das die Freiheit, wonach sich die Entrepreneure einer neuen Nachhaltigkeit sehnen? Wohl kaum. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen den alten UnternehmerInnen und den neuen „nachhaltigen Entrepreneure“. Beide halten an der Freiheit als Wert fest. War es für die alten UnternehmerInnen die Freiheit nehmen zu dürfen, so ist es für die neuen die Freiheit, nicht nehmen zu müssen. Wie das gemeint ist, wird hier mit zwei Tweets kurz erklärt:

@hpwallner Das pure Nehmen der westlichen, nicht nachhaltigen Wirtschaftsweise, ist kein Modus für eine evolutionäre Weltentfaltung #Nachhaltigkeit

@hpwallner Aus der Wirtschaft der unzumutbaren Besitzergreifung wird eine Wirtschaft des fairen Tausches und wechselseitiger Anerkennung #Nachhaltigkeit

Ein weiterer Unterschied gibt sich mir zu erkennen. „Er spürt, dass ein Handwerker gleichsam der Diener seiner Kunden ist und sein Lebensunterhalt von ihnen abhängt, dass ein Siedler aber, der sein eigenes Land bestellt wirklich Herr seiner selbst und von aller Welt unabhängig ist“ (aus: Adam Smith, Der Reichtum der Nationen, Seite 313). War die wahre Freiheit einstmals – also die vollständige Unabhängigkeit von den Launen der Menschen – durch die Bindung an ein Stückchen Erde dieser Welt gegeben, so ist die neue „Web 2.0“-Freiheit, die wir erreichen wollen, die vollständige Loslösung von jeder Art der Lokalität und die Auflösung der Materiegebundenheit im virtuellen Raum, in dem Globalisierung im Sekundentakt jedes Mal neu erfolgen kann.

Die Enthemmung zur Tat:

Ein Unternehmer ist ständig im Übergang zum Handeln „aus sich selbst“, wobei die Brücke zur Tat, die er selbst baut oder sich errichten lässt, aus Interessen konstruiert wird, unter denen durchaus auch Vernunftinteressen sein können“ (Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals, Seite 94)

Also, unabhängig davon ob die Vernunft uns treibt, jeder Mensch, der sich dem Unternehmertum unterwirft, enthemmt sich zur Tat. In gewisser Weise macht das ja jeder Mensch, weil jedes Handeln oder jede Form der Arbeit eine Enthemmung zur Tat erfordert. Es ist nur die Grundmotivation – zumindest oberflächlich betrachtet – eine andere. UnternehmerInnen enthemmen sich –  in der Tendenz – zur Tat aus einem inneren Drang, die anderen aus einem äußeren Zwang. Vielleicht ist aber der große Unterschied in der Enthemmung zur Tat nur ein einziges Mal wirklich bedeutsam. Nämlich in dem Augenblick, in dem der Entrepreneur seine Entscheidung zur Gründung trifft. Diese Enthemmung zur Tat ist in gewissem Sinne schöpferisch, weil eine neue Einheit, eine neue Leistung, ein neues Produkt das Licht der Welt erblickt.

Im „train the eight – Programm“ (lernen in der liegenden Acht) entspricht dieser Enthemmung zur Tat der Durchgang durch den Ursprung der liegenden Acht. Aus dem neuen Denken (die unternehmerische Idee) und der neuen Haltung (das unternehmerische Herz) entsteht eine innere Resonanz, die uns zur Entscheidung befreit und zur Tat enthemmt.

TT8 - train the eight

TT8 - train the eight

Mehr dazu in einer kleinen Präsentation:

Entrepreneurship-Wallner-2010

Und ganz nebenbei. Warum viele GründerInnen einen Consultant aufsuchen, ist leicht erklärt: „Da aber die leise Vernunftstimme selten so deutliche Anordnungen gibt wie der römische Papst und da die zum Handeln Berufenen oft bis kurz vor dem Tattermin nicht wissen, ob sie in ihrem inneren Forum einen klaren Befehl erhalten haben oder nicht, umgegeben sie sich, wie bemerkt, mit Beratern und Motivatoren, die keine andere Aufgabe haben, als den Akteuren beim Absprung ins Handeln behilflich zu sein“ (Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals, Seite 102).

Schöpferisch im Sein und Werden:

Der schöpferische Akt in der Gründung eines Unternehmens findet sich lange vor dem Gründungsdatum. Es ist der Heureka! Prozess, aus dem die unternehmerische Idee hervorgeht (Der Heureka! – Prozess in der liegenden Acht). Ein solcher Prozess kann unterschiedlich lange dauern. Wenn es so lange dauert, soviel persönliche Opfer fordert und die Gesundheit derart belastet, wie das bei Charles Goodyear, dem Erfinder der Vulkanisation (damit aus Kautschuk Hartgummi wird) der Fall war (mehr dazu auf Wikipedia) werden nur die durchhalten, denen die „Einschwörung auf ein unbeirrbares Vorwärts gelingt“ auch dann, wenn es wie Wahnsinn anmutet (Peter Sloterdijk).  Und diese göttliche Imagination ist unser reichstes Erbe, das Geburtsrecht, das uns mit dem Göttlichen verbindet. Sie ist buchstäblich ein Abstieg der Weltseele in uns alle (Terence McKenna)

Entrepreneurship Madame Di Men Sion 2010

Entrepreneurship Madame Di Men Sion 2010

Was leisten UnternehmerInnen für die Gesellschaft?

Ob aus einer unternehmerischen Tätigkeit am Ende des Tages Freude oder Leid für die Menschen und die Welt folgt, hängt vom Geschäftsmodell ab. Ich sehe im Unternehmertum alleine noch keinen positiven Beitrag für die Gesellschaft. „Examine each question in terms of what is ethically right, as well as what is economically expedient. A thing is right when it tends to preserve the integrity, stability, and beauty of the biotic community. It is wrong when it tends otherwise.” (Zitat zu finden bei Aldo Leopold, A Sand County Almanac, auf Seite 262).

(Mehr dazu in „Was ist das neue Oben?“ und in 95 weitere Thesen zur neuen Wirtschaft. Abschließend die Frage: Braucht die Wirtschaft nicht ein neues Bewusstsein?)

Bücher, die es wert sind, gelesen zu werden?

Im Weltinnenraum des Kapitals von Peter Sloterdijk

Effectuation-Unternehmergeist denkt anders! von Marcus Ambrosch

Sustainability meets Entrepreneurship mit Hannes Offenbacher als Co-Author (mehr Infos auch hier)

Und mein eigenes Buch sollte auch aufscheinen, befiehlt mir das Ego 😉

Das Lila-Management-Prinzip: Unternehmen neu denken und erfolgreich verändern

Die bisher erschienene Artikel der Blogparade:

  1. Thomas Thaler: Was ist ein Entrepreneur?
  2. Heinz Peter Wallner: Heureka, ich bin UnternehmerIn! Warum auch nicht?
  3. Marcus Ambrosch: Berufsbezeichnung – Entrepreneur?
  4. Hannes Offenbacher: Die Entscheidung. Das Schwert des Entrepreneurs
  5. Gerhard Wehe: Soziologische Perspektiven
  6. Cornelia Daniel: Entrepreneurship und das halb volle Glas
  7. Cornelia Bredt: Entrepreneurshipp – Unternehmen Zukunft
  8. Nicole Arnitz: Entrepreneurship. Leidenschaft in ihrer reinsten Form
  9. Johanna Kriks: Kreativität, Leidenschaft und Vertrauen – über die Lust am Unternehmertum
  10. Manuel Gruber: Entrepreneurship 2010 – Warum die Old Economy nervt und die wahren Stars Surfshorts tragen
  11. Franz Kühmayer: Entrepreneurship beginnt im Bildungssystem
  12. Valentin Heppner: Warum soll ich Entrepreneur werden?
  13. Nicole Arnitz: Entreprenuership. Leidenschaft in ihrer reinsten Form

Ihr Heinz Peter Wallner


Blogparade Entrepreneurship

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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria