Home Blogartikel Führungsarbeit kann erfüllen und beflügeln – Motivation für Führungskräfte

Führungsarbeit kann erfüllen und beflügeln – Motivation für Führungskräfte

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Führungsarbeit kann erfüllen und beflügeln – Motivation für Führungskräfte

by Heinz Peter Wallner

Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: von neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.“ – Homer: Odyssee 11. Gesang, 593–600. Übersetzung Wolfgang Schadewaldt (Zitat)

Giacomo Costa - Private Garden

Giacomo Costa – Private Garden

Foto: Werk von Giacomo Costa, Private Garden, fotografiert auf der 53. Biennale in Venedig, 2009

Gesundes Führen – gesunde Menschen

Vor einigen Wochen begleitete ich Großgruppenworkshops mit rund 150 Führungskräften einer öffentlichen Organisation zur Frage: Wie können wir mit unserer Führungsarbeit die Gesundheit der Menschen fördern? Kurz heisst das dann „gesundes Führen“. Sie können sich sicher gut vorstellen, welche Vielfalt an fruchtbringenden Ideen und konkreten Optionen sich aus einem solchen Dialog ergibt. Das ist immer wieder sehr beeindruckend. Überhaupt ist es für mich eine Freude, wenn so viele Menschen in einer Atmosphäre der Selbstorganisation mit großer Konsequenz gemeinsam ihre Intelligenz nutzen und, wie mir scheint, sich dem „kollektiven Wissen“ nähren und gleichzeitig diese Wissensfelder weiter aufladen.


Die großen Muster sollten Führungskräfte erkennen

Wenn ich mit etwas Abstand die großen Muster ansehe, die sich aufbauen und die über die Zeiten an uns vorbeiziehen, dann stellt sich mir in diesem Kontext eine wichtige Frage: Warum müssen sich Führungskräfte heute mit hoch komplexen Fragen wie „Gesundheit“ beschäftigen und warum reichen die allseits bekannten Führungsaufgaben (die uns meist Fredmund Malik in „Führen, leisten, leben“  gelehrt hat) nicht mehr aus? Welche neuen Muster bestimmen unser Sein und Werden und wo liegen die großen Unterschiede? Hier beginnt für mich ganzheitliches Führen.

Globales Pop-Up „Gesundheit“

Das Thema Gesundheit poppt an vielen Stellen der Welt und in sehr verschiedenen Umfeldern immer häufiger auf. Wir wissen über den bedenklichen Gesundheitszustand unseres Erdenrundes Gaia immer besser Bescheid und machen uns Sorgen. Es geht um die Gesundheit von Gaia als Gesamtheit, als Lebewesen, es geht um die Gesundheit unserer Meere, die sich von Suppen des Lebens immer öfter in Zonen des Todes verwandeln, es geht um die Gesundheit unserer Regenwälder,  unserer Almen, unserer Flüsse und Seen. Gesundheit ist also längst ein globales ökologisches Thema geworden.

Gesundheit der Menschen

Wie ist es um die Gesundheit der Gesellschaften, der Religionen, der Familien, der Menschen heute bestellt? Können wir nicht durchgängig seltsame Zerfallskrankheiten diagnostizieren? Die Gesundheit der Wirtschaft hängt am seidenen Faden der Finanzwirtschaft. Unsere Hoffnung gründet sich dabei auf eine scheinbare Stabilität des Finanzsystems, dessen Fieberkurven aber keine Genesung mehr erwarten lassen. Noch weitere Beispiele gewünscht? Heute reden wir immer häufiger von der mangelnden Gesundheit unserer Staatshaushalte, der Politik, des Sozialsystems, des Gesundheitssystems und so weiter. Wir können kurz zusammen fassen: Unser „Gesamtsystem“ ist krank. Wir haben unsere Welt krank gedacht und müssen daher mehr über Gesundheit reden.

Wie oben so unten

Die systemischen Krankheiten ziehen sich durch alle Bereiche und über alle Ebenen. Individuell mögen die Immunsysteme der Organisationen unterschiedlich stark sein und sich wacker gegen die systemischen Krankheitsviren wehren, im Großen aber, sind sie von kranken Geistern durchwachsen, die das ganze System widerspiegeln. Burn-outs begegnen uns immer häufiger, dessen Prinzipien sich im Menschen wie in Organisationen, in Gesellschaften wie in Ökosystemen finden. Wir erkennen längst die Botschaft, wenngleich wir sie ob ihrer scheinbaren Ausweglosigkeit noch verdrängen. Wir wissen, dass es so nicht weiter gehen kann. Unser System, das wir leidenschaftlich lieben, sieht der Gefahr eines würdelosen Endes ins Auge. „Es lässt sich nicht leugnen:  Die einzige Tatsache von universaler ethischer Bedeutung in der aktuellen Welt ist die allgegenwärtig wachsende Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann“  (Peter Sloterdijk).

Nichts kann bleiben wie es war

Nichts kann am Menschen bleiben, wie es war – die Gefühle werden reformiert, der Habitus wird neu geprägt, die Gedankenwelt von Grund auf restrukturiert, das gesprochene Wort saniert. Das ganze Leben erhebt sich als Neubau auf dem Fundament der guten Wiederholung“ ( Peter Sloterdijks Buch “Du musst Dein Leben ändern”, 2009, Seite 640)

Ganzheitliche Veränderung und Führung in Organisationen?

Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund jenseits der üblichen Verdrängungsmechanismen des Change Management, sich den Herausforderungen der Veränderung nicht zu stellen? Weder Mensch noch Organisation können sich den Rhythmen der Veränderung langfristig entziehen. Wir können uns den Übergang erleichtern indem wir uns fit für Veränderung machen. Das scheint mir der logische Weg zu sein und den beschreibe ich mit meinen KollegInnen mit dem „train the eight“ Entwicklungsmodell (change management model) sehr ausführlich. Mehr auf: „train the eight„. Der Weg der vielen Umwege ist aber der häufig gewählte in der Praxis. Deshalb beschäftigen sich Organisationen mit komplexen Themen wie Gesundheit und lassen ihre Führungskräfte die Komplexität der Zeiten spüren.

Was müssen Führungskräfte können?

Heute wird den Führungskräfte viel abverlangt. Waren einstmals „Menschen fördern und entwickeln“, „Für Ziele sorgen“, „Entscheiden und auf den Punkt bringen“, „Bereiche organisieren“ oder auch „Kontrollieren und Feedback geben“ noch erlernbare Aufgaben, so gehen die Anforderungen heute viel, viel weiter. Allein die Idee, Führungskräfte könnten in der Lage sein, die auf die Menschen projizierten Krankheiten der Organisation quasi durch gute Führungsarbeit heilen, ist wenig vielversprechend. Hier gilt es, die Grenzen klar zu erkennen und deutlich zu ziehen. In einer gesunden Organisation werden Führungskräfte „Lebenswelten“ gestalten, in denen Menschen eine Form der Erfüllung finden können, und zwar gleich wie einfach oder komplex ihre Aufgaben auch sein mögen.

Eine solche ganzheitliche Führungsarbeit (Leadership) würde ich mit vier Dimensionen im „Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus der liegenden Acht“ (change management) so beschreiben:

  • Geist: Führung ist der Umgang mit Wahrnehmung, Gegensätzen, Optionen und mit Störungen
  • Herz: Führung fordert Grundhaltungen zum Selbst, zu Menschen, zum Ganzen und zur Zukunft
  • Bewegung: Führung bedeutet Arbeit mit Mustern, an Resonanz, mit Intelligenz und an Stärken
  • Form: Führung erkennt die Wichtigkeit von Sinn, von Lebendigkeit, von Gesundheit und von Erfolg
train the eight

train the eight

Bild: Dodo Kresse, 2009

Krankt aber die Organisation, wird Führungsarbeit zur Sisyphusarbeit

Wenn Organisationen den systemischen Krankheiten Tür und Tor öffnen, wenn sie sich den Entwicklungen der Zeit entziehen und Veränderungsprinzipien nicht verstehen, dann werden sich die Zerfallskrankheiten schnell ausbreiten und über die Menschen ergießen. Energielosigkeit, regelmäßige Ausfallszeiten, Burn-outs, Mobbing, Dienst nach Vorschrift Syndrom, Work-Life-Balance-Debatten, … und viele andere Symptome sind dann die Folge. In solchen Fällen kann die beherzte Führungskraft zwar gutes Tun und muss es auch immer wieder versuchen, aber heilen kann sie nicht. Die Führungskraft kann dann nur Trostpflaster auf Wunden kleben, die eine systemisch kranke Gesellschaft aufgerissen hat.

Besinnung auf Grundprinzipien des Lebens

Keine Organisation kann die Probleme der Gesellschaft und der Wirtschaft lösen. Jede Organisation aber kann sich auf das Leben und seine Prinzipien besinnen. Viele solche Organisationen wiederum können einen Beitrag zur Gesundung im Kollektiv leisten. Mehr nicht, aber das ist viel und mehr als wir erwarten dürfen.

Ich sehe in der Beschäftigung mit den großen Entwicklungsbögen, den relevanten Mustern unserer Zyklen, die lohnenswerteste Aufgabe in der Arbeit mit Organisationen.  Veränderung verstehen und bei ihren Urprinzipien anpacken, sich mit Nachhaltigkeit – Corporate Sustainability – beschäftigen und dem Sinn des Lebens eine Chance geben, das kann heilen. Dann wird die Arbeit der Führungskräfte zur erfüllenden und beflügelnden Aufgabe, die Resonanzen erzeugt und die Organisationen ins Schwingen bringt. So kann der Spirit sich entfachen, den wir heute auf dem Erdenrund in bisher unterdrückten Ländern beeindruckend erleben dürfen. Es ist der Spirit einer neuen Welt. Dieser Spirit ist das einzige Pop-up, das wir nicht wegklicken dürfen.

Herzlich, Ihr

Heinz Peter Wallner

train the eight - Schwärmen für Veränderung

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Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

6 Kommentare

  1. Ich mag deine Wortkreationen und Metaphern. Meine Lieblingssätze deines Textes: „Wir haben unsere Welt krank gedacht und müssen daher mehr über Gesundheit reden.““…von Suppen des Lebens immer öfter in Zonen des Todes verwandeln.“ Du sprichst von „Zerfallskrankheiten“ und „Entwicklungsbögen“. Mir gefällt die große Klammer „Gesundheit“ die du zart und geschickt über den Systemzusammhang setzt. Ich stimme dir zu. Danke, für deinen inspirierenden Text. Alles Liebe, Diana

  2. Danke für Deinen feinen Kommentar. Es freut mich immer sehr, wenn Du hier vorbeikommst 🙂 herzlich, Peter

  3. Hallo Heinz Peter,

    ja, wir müssen mehr über Gesundheit …
    Wir sollten viel mehr gesund leben oder nicht ? Aber dazu müssten viele ihre Gewohnheiten und Verhaltensweisen hinterfragen und entsprechend ändern. Das ist aber leider nicht der Weg des geringsten Widerstands 😉

    Der Dalai Lama bringt das oft so Widersprüchliche in uns Menschen so auf den Punkt:

    „Der Mensch, opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wiederzuerlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.“

    Viele Grüsse

    Martin

  4. Hallo Martin, danke für Deinen Kommentar. Das Dalai Lama Zitat ist sehr weise. danke dafür! Alles Gute, liebe Grüße, Peter

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