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Entscheidung taucht uns in den Strom des Lebens

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Entscheidung taucht uns in den Strom des Lebens

by Heinz Peter Wallner

Was heißt eigenverantwortlich leben? Nichts aus einer Verpflichtung heraus tun, sondern nur weil wir aufrichtig glauben, es ist das Beste, was wir tun können.

Ruhe vor der Entscheidung

Gut leben, aus der Ruhe gut entscheiden.

Wirklich wichtige Fragen in unserem Leben führen uns immer wieder an den Punkt der Entscheidung. Je näher dieser Punkt rückt, desto stärker wird das Vibrieren, das die Angst vor dem Unbekannten auslöst. Wir wissen intuitiv, dass hinter diesem Punkt der Strom des Lebens auf uns wartet. Ob uns dieser Strom in ein gesegnetes Land mit nimmt oder in einen Abgrund stürzt ist vorher nicht auszumachen. Vielleicht passiert auch nichts weiter, als ein gelangweiltes Treiben in Gewässern mit gemütlichem Geplätscher. Es geht also nach der Entscheidung mit uns bergauf, bergab oder es bleibt genau so, wie es in den Ebenen des Flachlandes schon vorher war.


Wann ist eine Entscheidung reif? Ist es nun gut lange zu warten und zu brüten, oder sollen wir schnell und oft entscheiden? Vielleicht verhält es sich so, dass wir nur tief genug in den Strom des Lebens eintauchen müssen, um erst gar nicht in Situationen zu kommen, die Entscheidungen abverlangen. Entscheiden heißt ja immer auch Bewerten und das setzt voraus, im Augenblick mit der Situation des Lebens zu hadern. Ein erlöstes Leben führen wir vielleicht am ehesten dann, wenn wir die drei Weisen des Tuns von Eckhart Tolle beherzigen – Ist das so? Mag sein. Auch das geht vorbei  (mehr finden Sie hier).

Zugegeben, ich finde das herrlich inspirierend und irritierend, aber gleichzeitig scheint mir diese Lebensform Lichtjahre von meiner derzeitigen Realität entfernt. Sobald wir den Kopf aus dem Strom des Lebens strecken und sehen, wo wir uns befinden, läuft der Bewertungsmodus an und fordert uns auf, Entscheidungen zu treffen. Oh, was da gerade war, hätte so nicht sein dürfen, und dieses, was da kommt darf auch nicht eintreten. Und aus den beiden Optionen wähle ich lieber diese.

Wie auch immer, von mir jedenfalls verlangt das Leben von Zeit zu Zeit wichtige Entscheidungen. Wenn eine Entscheidung getroffen werden will, dann ist sie nicht mehr aufzuhalten. Vorausgesetzt, es ist ein essentielles Thema unseres Lebens und nicht nur ein – uns vom eigenen Ego aufgebrummtes – Pseudoproblem. Ich glaube es macht viel Sinn, diese Entscheidung nicht zu schnell zu treffen. Überhaupt ist es kein Vorteil im Leben, zu früh konkret zu werden. Das bringt nur Langeweile. Spannender ist es wohl, die Dinge in der Schwebe zu halten und die Unordnung der Dinge grenzwertig ansteigen zu lassen. Eine Entscheidung reifen zu lassen ist wie der Bau eines Staudamms  im Strom des Lebens. Der Fluss verlangsamt sich, die Last der Wassermassen wir langsam immer größer. Treffen wir die Entscheidung an einem Punkt, an dem die Last an die Grenze des Tragbaren heran reicht, dann öffnet sich der Staudamm und der Fluss des Lebens wird zu einem energetischen Strom der uns mit reißt und unser Leben für immer verändert. Sicher, wer zu lange wartet setzt sich vielerlei Gefahren aus. Das Wasser des Lebens kann seine kristallklaren Eigenschaften verlieren und übel faulig werden. Die Last kann auch so groß werden, dass wir sie nicht mehr halten können und der Damm gegen unseren Willen über uns hereinbricht, der Strom uns untertaucht und weg treibt. Es ist also gut, lange zu warten, damit der Strom relevant an Kraft gewinnt. Es ist aber nicht gut, so lange zu zögern, bis die Entscheidung über unseren Kopf hinweg gefällt wird.

Ich habe vor kurzer Zeit eine solche Erfahrung gemacht. Eine Entscheidung, die schon lange Jahre latent mein Leben beeinflusst hat, die ihre Energien aufgebaut und entladen musste, war zu treffen. Die Angst davor war groß, weil mir nicht klar war, wie mein Leben danach aussehen würde. Alle so hilfreichen Routinen des Lebens und alle starken Beziehungen waren in Frage gestellt. Mit der Entscheidung – meinen Sohn aus erster Ehe bei uns aufzunehmen – ging auch ein Wechsel meines Hauptwohnortes einher, was meine berufliche Sphäre beeinflusst und lieb gewonnene Gewohnheiten in Frage stellt. Doch dann kam der Strom des Lebens und riss mich mit. Alles ging plötzlich ganz schnell, die Probleme gaben sich als Lösungen zu erkennen, ein neues Haus war in kürzester Zeit gefunden, ein neues Zusammenspiel stellte sich viel schneller ein, als ich das je erwartet hätte. Mir scheint es, dass diese für mich sehr relevante Entscheidung eine sehr große Energie entwickelte. Vielleicht war auch das Vertrauen in die positiven Kräfte der Welt groß genug. Jedenfalls war das erneut eine kraftvolle und feine Erfahrung mit dem Wandel.

Wenn nach einer getroffenen Entscheidung der Strom des Lebens seine Energie positiv entfaltet, dann kann der folgende Wandel ein echtes Flowerlebnis werden. Das ist der Grund, warum ich trotz aller Ängste und trotz der oft langen Zeiten des quälenden Wartens, immer wieder zum Schluss komme: Ich schwärme für Veränderung.

Gezitter des Lebens

Gezitter des Lebens

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wo heute die liegende Acht bleibt? Heute ruht sie mit aller Kraft der Stille in ihrem Ursprung. Dort, wo die liegende Acht durch den Ursprung geht, finden wir immer den Punkt der Entscheidung. Es ist das der Energiepunkt jeder Entwicklung. Zunächst müssen wir in Geist und Herz die Entscheidung innerlich reifen lassen. Dann treffen wir die Entscheidung, durchqueren den Ursprung und enthemmen uns zur Tat. Nach der Erkenntnis treffen wir erneut eine Entscheidung. Die damit verbundenen neuen Muster wollen echte Gewohnheiten werden. Das gelingt uns nur, wenn wir die Entscheidung zur Wiederholung treffen. Was in ein neues Zusammenspiel kommen will, braucht die Übung. An dieser Entscheidung müssen wir festhalten, auch wenn der Strom längst wieder seine tragende Energie verloren hat.

herzlichst,

Ihr Heinz Peter Wallner


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Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

7 Kommentare

  1. Hallo Heinz Peter Wallner,

    mit Vergnügen habe ich Ihren Beitrag gelesen.
    Bei der nächsten essentiellen Entscheidung werde ich
    mit Sicherheit an Sie denken.
    Danke für diese Einsichten…

    Herzliche Grüße Frank

  2. Hallo Herr Wallner,

    Sie haben mir mit Ihren Überlegungen für mein Projekt „Lebensperspektiven“ sehr inspiriert. Vereinfacht ausgedrückt würde ich Ihren Beitrag so zusammen fassen, dass Entscheidungen nicht gefällt werden, sondern dass Entscheidungen entstehen. Dementsprechend ist ein Raum zu schaffen, in dem sie entstehen können.

    herzliche Grüße, Gernot Deutschmann

  3. Hallo Herr Deutschmann, danke sehr, freut mich. Nun, Sie denken weiter … danke für die Zusammenfassung; das macht viel Sinn und hat mich ebenso inspiriert! Alles Gute, liebe Grüße, Peter

  4. Was warm ist, tritt nach vorne, was kalt ist, entfernt sich. Diese heute auf der Akademie gelernte Grundregel zum Farbauftrag in einem Portrait ist ebenso auf das ganz normale Leben anzuwenden. So ist die Entscheidung leicht zu treffen, alles, was uns entgegenkommen soll, versehen wir einfach mit einem dicken, fetten, glänzenden, schimmernden, leuchtenden kirschroten, megagroßen Punkt.
    Mitternächtliche Blog-Grüße
    Inetti

  5. Mich hat das Bild vom Staudamm erst irritiert und dann sehr gefallen. Die Grenze vor Augen und der ansteigende Druck, das Wissen um das Unbekannte auf der anderen Seite und die Notwendigkeit der Entladung. Vieles was sonst zu kurz kommt, kommt in diesem Bild vor.
    Man kann in diesem Sinne der Entscheidung durch (zu frühes) entscheiden oder dem zu lange Aushalten aus dem Weg gehen. Beides ist gegen die Pulsation des Lebens gerichtet. Entscheiden ist somit nicht mehr nur der Bereich der Macher, sondern zielt viel stärker auf das Loslassen, auf das Vertrauen in der Hingabe: Spannung zulassen, reifen lassen bis die notwendige Entspannung als Entscheidung eingeleitet wird.
    Das ist für mich eine wichtige Erkenntnis, Danke.

  6. Lieber Herr Dr. Diedrich, in Ihrem Kommentar fassen Sie Vieles zusammen und bringen es auf den Punkt. Darin liegen für mich eine neue Erkenntnis und eine geniale Form der Klarheit. Ich Danke Ihnen, herzliche Grüße.

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