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Energien auf Durchzug – wie oben so unten. Ganzheitlich nachhaltige Entwicklung und ganzheitliche Führung

Drum glaub daran – verzage nie, es geht schon weiter – irgendwie (Roswitha Rudzinski)

Brenna tuats guat

Brenna tuats guat

Zur Einstimmung hier zwei ausgewählte Artikel:

Werden und Sein sind zwei Energien in lebendiger Balance

Nur noch kurz die Welt retten?

Im Raum der Inspirationen

Nahezu immer, wenn ich mit Kurt Völkl gemeinsam an unserem neuen „train the eight – Buch“ arbeite, betrete ich einen Raum der Inspiration. Ein Gedanke ergibt den nächsten, eine Idee die nächste. Immer ist es so. Schwerpunktmäßig wird unser neues Buch das „train the eight“ Entwicklungsmodell weiter ausführen und ein ganzheitliches Führungssystem vorstellen. Einen Aspekt, eine Gedankenskizze aus unserem letzten Gespräch möchte ich mit meinen Leser/innen hier teilen. Dabei skizzieren wir, wie sich ein gesellschaftliches Muster auch bei Menschen, besonders bei Führungskräften zeigt und in beiden Fällen zum „Kollaps“ oder zum „Ausbrennen“ führt.

Ganzheitliche Führung – Mustererkennung als Kompetenz

In meinen Leadership-Trainings für Führungskräfte versuche ich Räume zu öffnen, die neue Einsichten bringen, neue Perspektiven öffnen und so den Menschen die Führungsarbeit erleichtern. Wir plädieren besonders für den Raum der Widersprüche. Er ist quasi das Wohnzimmer, in dem Führungsarbeit statt findet. Ein anderer Raum ist der Raum der Mustererkennung. Die Muster der Organisation oder die Verhaltensmuster der Mitarbeiter/innen zu erkennen ist eine wichtige Kompetenz in der Wahrnehmung in so komplexen Zeiten.  Darüber gibt es viel zu sagen. Ich picke heute nur einen kleinen Aspekt heraus und erfreue mich an diesem leckeren Körnchen. Es geht mir um einen Analogieschluss. Ich erkenne ein Muster auf einer hohen Ebene, das sich auf einer tieferen Ebene wieder findet. Es ist ein „wie oben so unten“ Muster, wie das in ganzheitlichen Denkräumen genannt wird. Das „Oben“ ist ein Muster in Gesellschaft und Wirtschaft, das „Unten“ ist ein analoges Muster bei „Menschen“.

Energien auf Durchzug – Nachhaltigkeit am Nebengleis

Trotz einer jahrzehntelangen Nachhaltigkeitsdebatte ist unser Wirtschaftssystem immer noch auf „Durchzug“ geschaltet. Energien und andere Ressourcen gehen als wertvoller Input in unser System ein, um es am schnellsten Wege wieder als Abfall mit höherer Entropie zu verlassen. Es ist ein „One-Way-System“, das erst durch Kaskaden und Recyclingansätze ein wenig in seinem Durchsatz gebremst wird. Die Gesellschaft bringt dem wirtschaftlichen Durchzugssystem nicht genügend Widerstand entgegen, es gibt noch zu wenig wirksame Bremsen. Eine Entschleunigung ist zwar in Sicht, diese wird aber durch den Ressourcenmangel quasi von Aussen vorgegeben und hat ihre Quelle nicht in der Intelligenz des Systems selbst. Es scheint also zu stimmen: Wer auf „Durchzug schaltet, verblödet“.


Die Steigerung übersteigern – Wachstumswahn

Mit dem Ressourcendurchzug geht das Paradigma der Steigerung einher. Vielleicht ist das ein Henne–Ei Problem. Hat die Steigerung den Durchzug der Ressourcen verursacht oder hat der Ressourendurchsatz die Steigerung ermöglicht? Jedenfalls ergeben der „Zwang zur Steigerung“ (also Wachstum) und das Energie- und Ressourcendurchzugssystem ein interessantes Muster auf gesellschaftlich-wirtschaftlicher Ebene der Betrachtung. Das Steigerungssystem entwickelt eine innere Dynamik, die für eine Fortsetzung der Steigerung sorgt, auch wenn für das System der Schaden den Nutzen bei weitem überwiegt. Dies erleben wir heute in sehr großem Maßstab. Das „Durchzugssystem“ wirkt nicht entschleunigend, es kann der Steigerung keinen Widerstand entgegen setzen, so daß das Wachstum des Systems die inneren Grenzen überschreitet und weit über das Ziel hinaus treibt. Das System sackt in sich langsam zusammen, es verblüht zunehmend und geht einem würdelosen Ende entgegen. Es verendet innerlich während es noch im Steigerungsrausch die letzten Parties feiert. Das Bild dazu ist lange bekannt, wurde aber scheinbar zu wenig verstanden, weil es weitgehend ohne Wirkung blieb. Es sieht so aus:

Steigerung und Ankunft

Steigerung und Ankunft

Wie oben so unten

So also sieht es „Oben“, in den Systemsphären von Gesellschaft und Wirtschaft, aus. Und es gilt das „wie oben so unten“ Prinzip. Das, was wir an Mustern auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systemebene vorfinden, bildet sich „Unten“ im System, also in den Menschen selbst in gleicher Weise ab. Das Muster „Steigerung und Durchzug“ ist auch ein Verhaltensmuster der Menschen. Und – so scheint es mir – je dramatischer sich die Situation auf der oberen Systemebene zuspitzt, desto stärker fallen Menschen in dieses Muster. Besonders betroffen sind Führungskräfte, die bekanntlich die ganze Spannung zwischen Mensch und Organisation puffern müssen, die vom Steigerungswahn der Wirtschaft erfaßt sind und gleichzeitig von der Gesellschaft in ihrem zügellosen Energieeinsatz nicht gebremst werden. Wir dürfen uns – das sei so nebenbei erwähnt – nicht über die Geldexzesse auf den obersten Etagen wundern, weil dort der Wahn am größten ist und sich das ganze Elend in  überdimensionalen Geldflüssen zu manifestieren scheint.

Führungskräfte in der Falle der Steigerungsmaschinerie

Das „Steigerungs- und Durchzugmuster“ bei Führungskräften geht so: Der Steigerungsmaschinerie wird die eigene Leistung unterworfen. Es ist demnach nie genug. Die Motivationssysteme der Organisationen verstärken den Steigerungswahn und pressen jährlich über überzogene Zielvereinbarungen neue Leistungssteigerungen aus den Menschen. Das Steigerungsspiel wird gespielt und die Regeln sind klar. Einer Mehrleistung folgt eine Mehrleistung. Zufriedenheit ist eine Sache der „Loser“ in den unteren Etagen. Es ist eben ganz analog der Situation auf der oberen Systemebene. Dort muß das Wirtschaftswachstum immer gegeben sein. Die Wirtschaft ist nie „gut genug, nie groß genug, es gibt kein Ankommen im geschaffenen Möglichkeitsraum“ und alle anderen Ideen sind Sache der Nachhaltigkeitsspinner in Randgebieten des Wirtschaftsuniversums.

Verheerend ist dieses Spiel für die Menschen besonders deshalb, weil es auch in den Organisationen keine „Bremssysteme“ gibt. Genau so, wie die Gesellschaft dem Ressourcendurchzug keinen Widerstand entgegen setzt, bieten die Organisationen dem „Energie- und Engagementdurchzug“ der Menschen keinen Widerstand entgegen. Die Energien der Menschen verpuffen. Was heute wichtig war, ist morgen schon ganz dumm. Das Bild der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklung findet sich auf der unteren Ebene der Menschen selbst.

Brennen und Ausbrennen

Brennen und Ausbrennen

Den eigentlichen Denkanstoss dazu hat mir ein spannender Vortrag von Dr. Marin Kratochwil über Burn-out-Prävention im Rahmen eines meiner Führungskräftetrainings / Leadership Trainings gegeben. Menschen werden von der Motivationsmaschinerie der Organisation erfaßt und gehen mit Freude an ihre Aufgaben heran. Eine an sich sehr gute und wünschenswerte Entwicklung beginnt. Der Mensch kommt mit seinen Energien in Kontakt, kommt in Resonanz mit seinen Aufgaben und steigert sich selbst. Ein Entwicklungsprozess beginnt, der für beide Seiten, den Menschen und die Organisation, nur von Vorteil ist.  Das kann lange so bleiben. Die Kraft des Steigerungsspiels aber nimmt oft seinen Lauf. Die Leistungssteigerung wird übersteigert und das „Burn-out“ beginnt. Der Kollaps ist dann kaum mehr aufzuhalten und dem totalen Leistungseinbruch folgt meist eine lange Depression.

Mustererkennung macht Führungskräfte zukunftsreich

Mit dieser einfachen Analogie anhand des „wie oben so unten“ Musters haben wir nur ein Beispiel ausgeführt, deren es viele weitere gibt. Wer seine Wahrnehmung schärft und Muster zu erkennen lernt, wird an allen Ecken und Enden solche Zusammenhänge wiederkehrender Muster ausmachen und daraus Schlüsse ziehen. Ziel ist es dabei, die destruktiven Muster von den konstruktiven Mustern zu unterscheiden und mit Veränderungen – so etwa mit dem „train the eight“ Prozess – auf das Ufer der lebensbejahenden Muster zu gelangen.

Entschleunigung durch bewußte Bremssysteme

Über Führungsgrundsätze bieten wir im „train the eight“ Führungssystem einige Unterstützung für die Frage der Entschleunigung und der sinnvollen „Widerstände“ gegen die Übersteierung an. Sinngemäß geht es um einen neuen Umgang mit Sinn, mit Erfolg, mit Gesundheit und ganz allgemein  mit Lebendigkeit.  Hier sehen wir die wirkungsvollsten Mechanismen für Organisationen ihre Führungskräfte in Balance zwischen Steigerung und Ankunft zu halten. Und dabei wahrlich zukunftsreich zu werden.

Herzlich,
Ihr  Heinz Peter Wallner

Weitere Artikel zum Thema bei Peter Addor und bei Ingo Diedrich



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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

8 Kommentare

  1. Lieber Peter,

    wie immer gäbe es viel zu sagen zu Deinen Gedanken – ich beschränke mich auf ein paar Aspekte (in der Hoffnung, dass aus unserer/n Flasche/n Rotweines auf unserer Terrasse doch einmal etwas wird ;-))…

    Das hübsche Lagerfeuerbild zu Beginn hat mich für folgenden Gedanken erwärmt: Du suggerierst fast, dass Leistungssteigerung zwingend zu -übersteigerung und burn out führt. Das glaube ich nicht. Vielmehr: wenn die Leistungssteigerung an ihre Grenzen stößt (zeitlich, emotional) und nicht mehr gefordert wird, kann der skizzierte Prozess durchaus in eine gleichbleibend hohe Leistung münden, sofern – und das scheint mir das wesentliche zu sein – die „Leistungsstoffwechselprodukte“ abgeführt werden können (Stichworte: mit sich selbst befreundet bleiben, Ausgleich, work-life-balance etc) und entsprechendes Brennmaterial (Aufmerksamkeit, Motivation, Freude, Interesse, Erfolg…) zugeführt wird. Oder: das beste Feuer erstickt unter kalter Asche. Es braucht also nicht unbedingt ein Bremssystem, sondern eher ein „Einschwingen“ auf angepasstem Niveau.

    Noch zwei Anmerkungen: Mustererkennung erscheint mir der Schlüssel für viele komplexe Fragestellungen zu sein. MusikschülerInnen mögen sich anhand der einzelnen Noten durch ein Stück buchstabieren – wenn man gelernt hat, viele musikalische Phrasen als „Muster“ zu begreifen, wird´s unendlich viel leichter und besser.

    Und schließlich: das Bild des „oben wie unten-Musters“ erinnert frappant an Selbstähnlichkeiten und fraktale Systeme (wär´ doch nett, die Analogien weiter zu spinnen?!).

    So viel für diesmal,
    Dein
    Gunter

  2. Lieber Gunter, danke – und lass uns nun einfach diesen „Terrassentermin“ vereinbaren 🙂
    (via email?) Deine Gedanken verstehe ich und teile sie. Ein Einschwingen auf hohem Niveau ist ein gutes Bild. Der Begriff „Bremssystem“ ist wirklich kein Highlight 🙂
    Die Sache mit den Mustern und die fraktale Geometrie der Welt soll uns ein roter Faden sein, wenn wir die gemeinsame Spur aufnehmen.
    danke und herzliche Grüße,
    Peter

  3. Lieber Peter

    Dein Beitrag gefällt mir sehr, und ich fühle, dass wir ganz nahe beieinander sind, auch wenn Du die Situation mit anderen Worten beschreibst, als ich. Darf ich Deine Gedanken in meine Worte fassen?

    Mustererkennung ist sehr wichtig aber sie will geübt sein. Wer vom daily business gehetzt wird und keine Zeit für zum Nachdenken hat, schafft es nicht. Man muss in eine Situation hineintauchen können und versuchen, sie auf einer gewissen Distanz heraus zu verstehen. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Person Teil des Systems ist überhaupt kann. Vielleicht braucht’s eben immer eine Sicht von Aussen.

    Mustererkennung gelingt mir jedoch nur, wenn ich ein paar Muster im Kopf habe und dann versuche, die vorliegende Situation mit einem oder mehreren „meiner“ Muster abzugleichen. Ich bediene mich gerne den Systemarchetypen von Senge at al. Es ist nicht getan, diese ungefähr zehn archetypischen Muster auswendig zu lernen. Man muss sie verstehen und sie unzählige Male „in der Natur“ angetoffen haben.

    (Trotzdem ist es mir ein wenig peinlich, auf eine Mustertypologie zurück zu greifen, wie die Astrologen auf die zwölf Tierkreiszeichen. Das ist eigentlich eine Trivialisierung und Komplexitätsreduktion, gegen die ich seit Jahren ankämpfe. Auf der anderen Seite habe ich keine Alternative anzubieten, wenn ich fordere, die Götzen nieder zu reissen. Menschen brauchen offenbar Krücken, in Form von Typologien, Prizipien, Einteilungen, Methoden, Rezepte, etc.).

    Das Übersteigerungsbild heisst bei mir „Overshoot and collapse“. Es ist ein bekanntes Muster. Wachstum hat immer eine beschleunigende und einen bremsende Feedbackschlaufe. Manager und Finanzer sind sich gewohnt, die beschleunigenden Kräfte anzutreiben, was jedoch just falsch ist. Je schneller sich die beschleunigende Schleife nämlich dreht, desto stärker machen sich die bremsenden Kräfte bemerkbar. Der Hebel liegt jedoch gerade in der anderen Schlaufe, indem man die Bremse abschwächt oder die Grenzen erhöht. Das liegt aber jenseits des finanzgetriebenen Denkens, weil man dazu ein wenig um die Ecke denken müsste. Finanzwesen baut eben auf der (linearen) Dreisatzrechnung auf.

    Gunter hat recht: der Archetypus „Grenzen des Wachstums“ muss nicht zwingend in „overshoot and collapse“ enden. Wenn die Grenze starr ist, wird sich das System ihr sanft nähern. Das Wachstum hört einfach auf. Aber soziale und psychologische Systeme haben meistens keine starren Grenzen. Sie können kurzfristig überschritten werden. Dann kann das System um diese Grenze oszillieren, bevor es stabil wird. In gewissen Fällen führen diese Schwingungen aber eben zu einem Zusammenbruch.

    Ich sehe das „wie oben, so unten“-Prinzip auch als Fraktal und hätte es auch damit beschrieben. Die Archetypen kann ich sowohl auf persönlicher Ebene erkennen, als auch in kleinen Systemen (Partnerschaft, Team, Abteilung) und in Konzernen sowie gesellschaftlichen und ethnologischen Systemen. Sie gelten nicht einfach tel quel auf jeder Ebene. Man muss sie schon ein wenig umformulieren und anpassen, aber es bleiben dieselben Muster. Diese Subtilität gehört eben auch zu der Fähigkeit der Mustererkennung. Es ist nicht ein gedankenloses Anwenden eines Werkzeugs.

    In Deinen Worten schwingt manchmals ein Ton mit, der in meiner Wahrnehmung ein bisschen nach Kapitulation klingt. Du schreibst, das Bild der Übersteigerung mit anschliessendem jähen Abfall sei lange bekannt, aber scheinbar zu wenig verstanden. Ich glaube, dass die Menschen keine Alternative haben. Wir beide fordern zwar Entschelunigung und Besinnungspausen. Wie soll aber ein CEO in die Retraite gehen, wenn ihm die Stakeholder im Nacken sitzen? Wenn nicht dieser CEO spurt, dann der nächste. Ich sehe da ein Gefangenendilemma. Alle könnten von einer Entschelunigung am Meisten profitieren. Wenn aber einer ausschert und beschleunigt, bzw. steigert, dann gewinnt er mehr, als mit einer Entschelunigung. Nur wenn alle steigern, bricht das System in sich zusammen. Sie denken: „Hört mit der Steigerung auf! Es genügt, wenn ich steigere!“.

    Herzlichst, Peter

    P.S. In den paar letzten Beiträge in meinem Blog habe ich versucht, Mustererkennung an einem Fallbeispiel zu zeigen. Es wäre toll, wenn mein Blog in Deinem Blogroll Erwähnung fände…. 😉

  4. Heinz Peter Wallner 23. Februar 2012 um 22:16

    Lieber Peter, zunächst nur das wirklich Wichtige 🙂 Dein Blog ist seit langer Zeit in meiner Blogroll. Unter Management und Führung 🙂 Besser anderswo? Und alles andere muss ich noch studiern. herzlich, Peter

  5. Lieber Peter, danke für die Darstellung in Deinen Worten. Das alles gefällt mir sehr. Auch die Archetypen als Basis zu nehmen ist eine gute Idee. Wir haben den Bezug zu Peter Senge zwar diskutiert, aber bisweilen nicht hergestellt. Mit den Typen war ich bisher nie „in Resonanz“ gekommen. Du aber hast mir dazu jetzt eine neue Tür geöffnet! Die Reduktion auf Archetypen selbst aber macht mir keine Probleme. Ist es nicht gerade ein Aspekt der komplexen Welt, dass wir Grundmuster und Grundbausteine erkennen können? Vielleicht sind Grundmuster eine Essenz, die wir herausdestillieren müssen, um Komplexität in ihrer Entstehung zu verstehen. Gleiches gilt mit „Prinzipien“, beispielsweise für Veränderung. Vielleicht geht es auch ohne, aber mit solchen Prinzipien fällt es uns Menschen leichter. Als Verfahrenstechniker bin ich auf den Einsatz von „unit operations“ geschult worden. Auch wenn das Fach heute weiter weg ist von mir, so bleibt doch eine Prägung. Irgendwie bin ich immer auf der Suche nach den „units“. Danke herzlich für Deinen Beitrag. Mit diesem und mit den Ergänzungen von Gunter bekommt der rohe Artikel nun einen Charakter. Das ist immer eine Freude. Zu Deinem aktuellen Artikel habe ich jetzt auch am Ende meines Beitrages verlinkt. Die Blogroll ist zwar nett, aber zeigt aus Erfahrung nur wenig Wirkung. Liebe Grüße, Peter

  6. Lieber Peter

    Deine Beschreibung des „Durchzugs“ auf den zwei Ebenen finde ich stimmig und ausdrucksstark.
    („Es verendet innerlich während es noch im Steigerungsrausch die letzten Parties feiert“ ist einfach ein toller Satz.) Das Gleiche gilt für das Denken in Mustern bzw. Analogien und der Orientierung am „lebendig“ sein.

    Und alle drei Punkte zusammen haben bei mir wieder ein Aha-Erlebnis ausgelöst.
    Seit meiner Beschäftigung mit Wilhelm Reich ist diese Kurve mir eine alte Bekannte. Wilhelm Reich hatte genau diese Kurve vor 80 Jahren ins Zentrum seiner Forschung gestellt. Sie ist für ihn auch ein Muster. Und zwar ein Muster für letztlich jeden Prozess im Bereich des Lebens.

    Die ansteigende expandierende Phase ist demzufolge von Spannung und Ladung geprägt und wird oft als lustvoll erlebt. Der folgt in der absteigenden kontrahierenden Phase die Entladung und Entspannung.
    Das Faszinierende an diesem Modell der Pulsation ist, dass so eine bestimmte Regulierung zum Ausdruck gebracht wird. Jeder Lebensprozess bringt somit immanent eine lebensspezifische Regulierung mit. Diese Regulierung kann überall beobachtet werden.

    Reich hat sie zu Beginn seiner Forschungen im Zusammenhang von Psyche und Sexualität analysiert. Was passiert, wenn Menschen versuchen, zu dieser Regulierung auf Distanz zu gehen und an ihre Stelle eine andere Regulierung zu setzen, der sie mehr vertrauen?
    Sie erleben z.B. die Lust in der ersten Phase nicht einfach als einen Ausdruck der Pulsation, sondern als etwas was sie machen. Entsprechend geben sie sich auch nicht an einem bestimmten Punkt der Kurve einfach dem Orgasmus (also dem Umschlag in die absteigende Phase) hin, sondern halten an ihrer Lust fest oder wollen den Orgasmus machen. Dies verändert elementar das Erleben. Was du mit „Durchzug“ beschreibst wird sehr wahrscheinlich: Die Spannung wird ständig erhöht und an die Stelle der Entspannung erleben sie irgendwann Erschöpfung.
    Diese Erfahrungen können z.B. auch dazu führen, dass die Personen gar nicht erst die Spannung wieder aufbauen, sondern resignieren oder die Erschöpfung so sehr fürchten, dass sie immer etwas Spannung zurückbehalten usw. Dies ist analog in allen Lebensbereiche möglich.

    Orientierung am Leben heißt demzufolge: Die Regulierung des Lebens zulassen. Es heißt nicht, sich von Regulierung zu befreien (ein Irrtum der 68er), aber auch nicht, sie zu regulieren.

    Es fällt uns oft viel leichter, komplexe Regulierungen auszudenken, als die gegebene anzunehmen.

    Leistung ist ein expandierendes agieren und ein kontrahierendes verstetigen. Nur die gesamte Kurve mit ihrem Auf- und Abstieg ermöglicht ein weiteren Aufstieg. Wer versucht sich auf einem möglichst hohen Spannungsniveau einzupendeln, produziert Aktionismus und nicht Leistung.

    Das Festhalten an der Expansion kann man oft als Bewegung beschreiben, der eine entsprechende Struktur fehlt. Sie ist eine Luftnummer. Das Festhalten in der kontrahierenden Phase schafft Struktur ohne angemessene Bewegung. Alles wird starr.

    Für mich ist das das Wichtigste: Sich am Leben orientieren heißt, der Regulation des Lebens Raum geben.
    Und es ist eine schöne Vorstellung, dass u.a. denken, beraten, Arbeit und Sex in diesem Punkt identisch sind.

    Wer sich allerdings in diesem Sinn am Leben orientiert, wird unweigerlich in Konflikt mit Strukturen kommen, die eine Verweigerung der lebendigen Regulierung zum Ausdruck bringen.
    Ich vermute, dass dieser Ansatz gar nicht so weit weg ist von dem der liegenden Acht. Ich glaube nur, dass die Perspektive etwas anders ist. Ausgehend von dem Vorhandensein der lebendigen Regulierung geht es mir weniger darum Bremsen einzubauen, als eher darum das vorhandene frei zu legen und anzubinden. Aber auch dazu ist so etwas wie Entschleunigung wichtig.

    Vielen Dank für die Anregung und die Möglichkeit diese Perspektive kurz zu skizzieren.

    Ingo

  7. Heinz Peter Wallner 14. März 2012 um 10:13

    Lieber Ingo, herzlichen Dank für Dein Feedback und Deinen Kommentar. Da habe ich viel gelernt und wieder neue Perspektiven und Einsichten erhalten. Das ist immer sehr erfreulich. Du hast Dich ganz offensichtlich sehr intensiv mit diesen Fragen beschäftigt und gründlich recherchiert. Das gefällt mir ist auch ein Markenzeichen Deines ID-Blogs. Mit Deinen Ausführungen hast Du hier Klarheit und eine substantielle Ergänzung eingebracht. Besten Dank und liebe Grüße, Peter
    PS: am Ende des Artikels habe ich – ergänzend zur Blogroll – jetzt direkt auf Dein Blog verlinkt

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