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Der Heureka!-Prozess in der liegenden Acht – train the eight

Die Wahrnehmungen des Menschen werden nicht von Organen der Wahrnehmung beschränkt; er nimmt mehr wahr, als die Sinne (und wären sie noch so scharf) entdecken können“ (William Blake)

train the eight - Der Heureka Prozess - Wallner 2009

train the eight - Der Heureka Prozess - Wallner 2009

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Immer wieder dürfen wir der Welt eine Frage stellen. Es gibt so viel unter der Sonne, was wir gerne wissen möchten – Fragen, auf die wir liebend gerne eine Antwort hätten. Wie aber stellen sie sich ein? Wie kommt eine Antwort in unseren Geist? Natürlich meine ich hier nicht die alltäglichen Fragen, auf die wir eine Antwort finden, noch bevor wir Google bemüht und wirklich ausgereizt haben. Es geht mir mehr um die Fragen zur Welt und des Lebens, die etwas Schöpferisches in sich haben, die einem Feld, vielleicht einem morphischen Feld oder einem Intelligenzfeld entspringen.  Schon seit vielen Jahren bin ich von der Idee der morphischen Felder von Rupert Sheldrake überzeugt. Mit seinem Buch „Das Gedächtnis der Natur“ hat auch er meine Sicht der Welt entscheidend verändert. Eine Frage aber blieb offen: Wie können wir zu diesem Feld Zugang finden? Was ich hier versuchen möchte, ist die Darstellung des Heureka!-Prozesses in der liegenden Acht.

Es gibt auch ein Beispiel einer Frage, die mich sehr lange beschäftigt hat: Wie kann ich Lern- und Veränderungsprozesse wirklich ganzheitlich als Prozess darstellen und dabei die Beschränktheit des Kreises verlassen? Intuitiv war mir klar, dass ich kein weiteres kreisförmiges Modell kreieren möchte. Die Antwort aber ließ wirklich lange auf sich warten.

Wenn wir also einen solchen Forschungsprozess beginnen, dann beginnen wir mit einer Idee, einer intuitiven Vorstellung, vielleicht einer Ahnung. Diese Idee entspringt unserem Geist. Somit ist schon die Idee selbst ein schöpferischer Prozess. In der liegenden Acht (train the eight) befinden wir uns im ersten Quadranten („Geist“). Die Idee alleine aber führt uns noch zu keiner neuen Erkenntnis. Wie sehr sind wir von der Idee  ergriffen? Wie weit entflammt sie unsere Leidenschaft? Kein bisschen? Nun, dann bleibt es bei der Idee und sie verzieht sich wieder ins Feld (oder ins Universum). Wenn aber ein wenig Leidenschaft dabei ist, wird die Idee mit Gefühl und Energie aufgeladen (wir befinden uns im zweiten Quadranten der liegenden Acht – „Herz“). Diese Energie muss ausreichen, um eine Entscheidung zu treffen und zur Tat zu schreiten (in den dritten Quadranten eindringen – in das neue Tun = „Bewegung“). Jetzt beginnen wir mit der eigentlichen Arbeit. Es beginnt ein Suchprozess.

Bei mir ist es immer so, dass ich in diesen Phasen alles sammle, was irgendwie zur Frage passen könnte. Meist sind die Suchen in den Domänen anderer Disziplinen viel erfolgreicher, als in der eigentlichen Disziplin der Frage. Wenn ich zum Thema „Change Management“ suche, dann finde ich in der Kerndomäne selbst meist wenig Inspiration. Es öffnen mir die neuen Wissenschaften, die Selbstorganisation, die Emergenzforschung, oder die Neurobiologie meist viel mehr Fenster zur neuen Welt.  Und immer wieder nehme ich wahr, wie mir fast wie zufällig in einem solchen Suchprozess etwas zufällt, das ich zunächst nicht einordnen kann, wobei ich oft nicht einmal einen Zusammenhang erkenne. In diesen frühen Suchphasen ist es ähnlich wie in den frühen Phasen eines Veränderungsprozesses. Wir spüren ein Prickeln, weil sich ein Erfolg ankündigt. Es scheint, der Erfolg liegt nur mehr wenige Schritte entfernt.

Dann aber betreten wir einen anderen Raum, den vierten Quadranten in der liegenden Acht (neue Erkenntnis, oder Quadrant der „Form“). Hier ziehen wir Bilanz und ordnen unser neues Wissen. Was können wir nun an neuen Mustern erkennen? Welche Formen bringen wir hervor? Sind wir einer etwas größeren Ideen auf der Spur, dann entpuppt sich der Formenquadrant  in dieser Phase oft als Plateauphase. Mit leichter Bitterkeit erkennen wir, dass der schnelle Erfolg sich nicht einstellen wird. Was immer wir auch suchen, so leicht lässt es sich nicht finden. Oder was immer wir verändern wollen, vielleicht gar uns selbst, so leicht lassen sich alte Muster nicht verändern. Es ist wohl weiser als ich dachte, wenn wir sagen: Gut Ding braucht Weile. Und Geduld ist eine Tugend.

Auch wenn sich die Nebel um unsere Idee herum nicht verziehen mögen, dann ist das kein Grund, aufzugeben. Wir brauchen wieder eine Entscheidung. Immer, wenn wir durch den Ursprung der liegenden Acht stoßen wollen, dann steht zuvor eine Entscheidung an. Jetzt eben, die Entscheidung zur guten Wiederholung, die Entscheidung, konsequent zu sein.

(1, Geist) die Idee konkreter formen, das Bild klarer zeichnen

(2, Herz) noch mehr Leidenschaft in die Idee legen

(3, Bewegung) und die Suche verstärken, noch tiefer eindringen in die verschiedenen Welten und Querverbindungen suchen. Die Puzzlesteine des Bildes können ebenso der Spiritualität und der Kunst, wie der Wissenschaften oder den akademisch profilierten Praxen entstammen.

(4, Form) und nach neuen Erkenntnissen suchen und danach ringen.

Wir durchlaufen also mehrere Zyklen des Geist-Herz-Bewegung-Form Bewegung entlang der liegenden Acht (train the eight).

An meinem Beispiel möchte ich aufzeigen, wie ein solcher Prozess vom Kreismodell in vier Phasen eben zur liegenden Acht als Lern- und Veränderungsmodell geführt hat. Es war ein Kinesiologiekurs, den ich zu dieser Zeit besuchte, der mich letztlich zur liegenden Acht brachte. Dabei bestand zwischen meiner Suche und diesem Kurs zunächst überhaupt kein Zusammenhang. Fast schon bin ich zum Schluss gekommen, mein Lern- und Veränderungsmodell doch als „Lernrad“ zu beschreiben. Noch heute habe ich alle Skizzen dazu. Und dann ganz plötzlich, fast nebenbei und zufällig kam mir der Gedanke, mein Lernmodell und die liegende Acht aus der Kinesiologie zu verknüpfen. Dann hat es sich auch bezahlt gemacht, dass ich ein Buch über die Kabbala gelesen habe und so viel über die „Acht“ erfahren habe. In diese Zeit fallen auch Tage der Diskussion über Selbstorganisation und Kybernetik mit Kurt Völkl, mit dem ich das Modell dann als „Das LILA Management Prinzip“  publiziert habe.

Nach mehreren Schleifen in der liegenden Acht also kann der Zeitpunkt des Durchbruches kommen. Der Durchbruch kann ein kleiner sein, oder aber eben ein größerer. Je größer die Idee für die Menschheit ist, umso intensiver werden diese Phasen. Was bei mir eine intensive und spannende Zeit der Beschäftigung war und zu einer zumindest für mich relevanten Erkenntnis führte, ist bei anderen Menschen oft viel mehr. Wir kennen viele Beispiele, wie Menschen durch einen tiefen Heureka!-Prozess zu bedeutsamen Erkenntnissen kamen, die der Welt und der Menschheit bis heute dienen. Wer aber mit kleinen Durchbrüchen nicht zufrieden ist, muss sich auf einen weit intensiveren Prozess in der liegenden Acht einstellen. Es wird dann unzählige Durchläufe brauchen und die Plateauphasen werden bis zur vollkommenen Erschöpfung, in Desillusionierung, Verzweiflung und „Tage der finstersten Nacht“ führen. Wer aber dann einen Durchbruch erleben darf, der wird wie vom Blitz getroffen. Vielen Berichten zufolge, brauchen dann diese Menschen oft Jahre, um ihre Erkenntnis, die als Blitz erlebt wird, in die Sprache der Menschen zu übersetzen.

Was ich hier als Heureka!-Prozess in der liegenden Acht dargestellt habe, wird von Marghanita Laski (1961 veröffentlicht) in sechs Stufen beschrieben:

  1. Die Frage stellen
  2. Nach der Antwort suchen
  3. Auf die Plateauphase treffen
  4. Jegliche Hoffnung verlieren
  5. Den Durchbruch erleben
  6. Die Antwort in die Sprache der Allgemeinheit übersetzen

Gefunden habe ich diese geniale Offenbarung in einem faszinierenden Buch von Joseph Chilton Pearce: Die Biologie der Transzendenz, Seite 257 ff.

Train the eight!

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Autor: Heinz Peter Wallner

Dr. Heinz Peter Wallner: Führungskräftetrainer, Management-Ratgeber, Buchautor und Vortragender mit 20 Jahren Erfahrung. Führungskräfte stehen heute vor ganz neuen Herausforderungen, die eine hoch komplexe, extrem dichte Arbeitswelt mit sich bringt. Viele sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen und dennoch bleiben viele Probleme ungelöst. Das liegt daran, dass herkömmliche Führungs- und Managementkompetenzen nicht mehr ausreichen. Es braucht Kompetenzen für den Umgang mit hoher Komplexität. Das ist ein neues Terrain für Führungskräfte auf allen Ebenen des Managements. Wählen Sie aus meinen speziellen Trainingsangeboten in den Bereichen Leadership, Self Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen aus. Gemeinsam stellen wir das passende Führungskräftetraining und ein erfahrenes Team zusammen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Wallner und Schauer GmbH Hauptstraße 23/1/24 A-8301 Laßnitzhöhe Austria

5 Kommentare

  1. Helmuth Badjura 8. März 2011 um 20:52

    Lieber Peter,

    faszinierend zu lesen, Deinen Weg zur liegenden 8! Manches kommt mir bekannt vor, weil Ähnliches erlebt ohne es für mich selbst sichtbar zu machen. So waren schon immer „Mischgetränke“ meine Lieblingsgetränke. Nach dem Motto: Auf die Mischung kommt’s an. Und so habe ich immer wieder versucht, die richtige (=erfolgreiche?) Mischung zu finden. Darum gefällt mir der Gedanke bzw. Dein Weg vom Lernrad zur liegenden 8.

    Und so auch bei meinem derzeitigen Projekt: ich orientiere mich an Deinem Modell und versuche es mit den Gedanken aus dem Buch „Rulebreaker“ zu verknüpfen. Ich versuche gleich bei der Fragestellung, Regeln (=übliche Normen, unausgesprochene aufgestellte Regeln u. Ä.) außer Acht zu lassen. Dann durchlaufe auch ich – ob ich will oder nicht – alle von Dir aufgezählten Stufen. Und komme immer wieder – scheinbar – an den Punkt, „jede Hoffnung zu verlieren“. Doch das ist irgendwie mein Kick: geht nicht gibt’s nicht (ist nicht von mir, aber ein bissl mein Motor).

    Und wenn ich ihn dann doch schaffe, den Durchbruch, hab ich gleich die nächste Herausforderung: wie erzähl ich’s jetzt Jenen, deren Reise noch gar nicht begonnen hat? ABER: all diese Herausforderungen (die ich brauche wie die Wiese die Sonne) machen so richtig Spaß, wenn ich versuche im Modell der liegenden 8 zu denken und dabei möglichst viele Regeln zu brechen. Just4Fun! Veränderung ist fun – zumindest für mich.

    LG Buddy

  2. Heinz Peter Wallner 10. März 2011 um 09:33

    Lieber Buddy, Veränderung ist fun … Auch wir haben den Leitspruch: „Schwärmen für Veränderung“ für unser train the eight Programm gewählt :-). Rulebreaker paßt wohl sehr gut zu Dir. Schon im Wirken des BEX Teams warst Du ja ein erfrischender Regelbrecher . Dass Du heute diesen Weg als Führungskraft so weiter gehst, gefällt mir sehr. Herzlichen Dank für Deinen Beitrag! Liebe Grüße, Peter

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