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Bücher

Nach unzähligen Selbsthilfebüchern, nach mehreren Seminaren zur persönlichen, ganzheitlichen Veränderung und Entwicklung, nach zähen Versuchen, die schlechten Gewohnheiten in den Griff zu bekommen, sind wir wieder dort, wo wir schon früher waren? Ganz am Anfang und alles blieb beim Alten? Dabei sollte der Erfolg größer werden, das Glück wachsen und das ganze Leben einfacher werden. Vielleicht ist das gut so und wir können ganz entspannt bleiben. Diese Richtung führt nämlich ins Nirgendwo.

(dieser Beitrag ist auch im Business Village Magazin erschienen: Clicken Sie hier)

Dialog in Kleinkreisen

Gesellschaftliche Anerkennung gibt es in unseren Breitengraden im Abtausch gegen Erfolg. Kein Wunder also, wenn der Drang zu mehr und mehr Erfolg ins Zentrum des Lebens rückt. Da nistet sich scheinbar eine Endlosdenkschleife in unseren Gehirnen ein, legt unseren kritischen Denkapparat lahm und überträgt sich scheinbar noch dazu wie ein Virus – ein Mem – von Mensch zu Mensch. Nur so ist es zu erklären, warum so häufig eine große Bibliothek an Selbsthilfebüchern zum Thema Erfolg die Wohnungen füllt und allzu  viele Regalbretter biegt.

Einfach und schnell

Ein Großteil der Selbsthilfeliteratur verspricht den Erfolg auf kurzem Wege. „Simplify everything“ lautet die Devise. Wer es unter den Autoren nicht schafft, die Top-Five for Life aufzuzählen und mit Erfolgsstories zu hinterlegen, bleibt unter den Zwergen. Bücher, die den schnellen Weg posaunen und ohne Müh‘ und Plag zum Erfolg führen, machen ihre Verlage reich. Eine innere Stimme aber sagt uns, dass es keinen Weg nach so einer einfachen Formel geben kann, zumindest keinen, der uns nach Oben führt. Zugegeben gibt es Berge, auf deren Gipfel eine Seilbahn führt. Dann aber wird der Gipfelsieg mit einer teuren Fahrkarte bezahlt. Wir erklimmen die nächste Stufe unserer Entwicklung immer nur mit Anstrengung. Wenn wir uns gerne anstrengen und den Sinn darin erkennen, mag es uns leicht fallen, Energie aber kostet es uns trotzdem. Ein großes Problem mit der Selbsthilfe liegt in der Vielzahl unserer Entwicklungsanliegen und Probleme, die wir instantan und gleichzeitig lösen wollen. Unsere verwirrende Gefühlslandschaft ruft nach Ordnung, unser Hang zum Aufschieben muss behoben werden, unsere belastete Seele wünscht sich Erlösung, unser Burn-out und unsere Depression schreien nach Abhilfe, unser Messie-Verhalten verlangt nach Mülltrennung, unsere Ängste wollen besiegt werden, die Energien unseres Körpers wollen sich einen Weg bahnen und letztlich soll die spirituelle Entwicklung für schnelle Erleuchtung sorgen. Damit uns die Summe der Probleme nicht zermürbt, stärken wir noch schnell unsere Resilienz. Somit stellen wir auch noch sicher, dass wir nach dem Zusammenbruch schneller auf die Beine kommen. Die leersten aller Versprechungen machen dabei jene Bücher, die uns durch positives Denken zum Erfolg und mitten ins Glück führen wollen. Dieses Thema ist ein eigenes Buch wert, meinte schon Barbara Ehrenreich.

Und wie geht es uns damit?

Nach den ersten Erfolgen stellt sich oft Euphorie ein. Nach einer gewissen Zeit wird aus Euphorie Freude und dann Bereitwilligkeit. Noch etwas später aber holt uns viel zu oft die Vergangenheit mit ihren alten Mustern und Gewohnheiten wieder ein. Die Laufschuhe bleiben im Kasten, die Meditation entfällt und die Räucherstäbchen sind ausgegangen. Auch das 5-Minuten-Programm gegen die Aufschieberitis ist jetzt im hohen Stapel am Schreibtisch irgendwo ganz unten angekommen, unauffindbar versteht sich. Der Widerstand gegen die Weiterentwicklung, gegen den Ruf des besseren Oben, hat uns wieder erfasst. Wir werden zwar von einem Idealbild her beansprucht, sind zur Entwicklung quasi aufgerufen, aber unser innerer Schweinehund hält uns zurück, zieht uns zu Boden. Dieser Kampf ist schwer zu gewinnen, denn dieser Schweinehund ist in Wirklichkeit eine Hydra, ein Ungeheuer mit vielen Köpfen, die immer wieder nachwachsen. Und gibt es dazu auch eine gute Nachricht? Sicherlich.

Der Ballon der Madame Di Men Sion

Alle können es schaffen

Es gibt Menschen, die weiter kommen, die unglaubliche Dinge leisten. Ganz egal in welchem Bereich. In der spirituellen Welt, im Sport, in der Musik, in der Literatur, in der Akrobatik, in der Rehabilitation, im Alltag mit schweren Krankheiten und Leiden, in der Wissenschaft, überall gibt es Menschen, die sich zu ungeahnten Höhen aufschwingen, die von einem göttlichen Oben angezogen werden und ihre ganze  Kraft in ihre Weiterentwicklung stecken.

Es gibt auch die vielen Meister des Alltags, die unter schwierigen Bedingungen das Leben bewältigen, Tag ein Tag aus, die zwar keine großen Erfolge feiern können, aber immerhin bestehen. Und es gibt jene, die mit einer gewissen Leichtigkeit ihren Geist und Körper fit halten und den Versuchungen der Trägheit widerstehen. Ihnen allen gebührt Anerkennung. Sie alle hätten es auch ohne Selbsthilfebücher geschafft, vielleicht aber ist einiges dadurch leichter gelungen. Peter Sloterdijk sieht darin die Natur des Menschen, der sich als übendes Wesen erkennt und so über sich selbst hinaus wachsen kann:  „Du musst dein Leben ändern – und ergreife die Gelegenheit, mit einem Gott zu trainieren“.

Tiefpunkte sind normal

Welche Entwicklung wir auch immer anstreben, der erste Schritt beginnt im Kopf. Wir lassen eine Idee reifen. Eine gute oder wichtige Idee wird zu einem bunten Bild im Kopf heranwachsen und sich langsam mit Gefühlen aufladen. Wir kommen in eine Art Geist-Herz-Resonanz. Das erkennen wir an jenem Gefühl, das uns die Gänsehaut den Rücken entlang laufen lässt und uns zur sicheren Entscheidung führt, endlich mit dem Tun – mit der Umsetzung der Idee – zu beginnen. Sind wir im Tun angekommen, fühlen wir das wahre Leben. Ob es der Versuch ist, am Morgen zu joggen, ob es eine Geschäftsidee ist, die wir als Gründer umzusetzen beginnen, die erste Yogastunde oder die erste Sitzung bei einem Therapeuten, zu der wir uns wagen, wir werden am Anfang immer wieder kleine Erfolge erleben. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, meinte Rainer Maria Rilke. Genau aus diesen Erfolgserlebnissen ziehen wir die Energie zur Wiederholung unseres Tuns. Wir werden immer besser und es wird immer besser für uns.

Dann aber kommt eine Phase auf uns zu, die als Plateauphase bekannt ist. Plötzlich kommt unsere Entwicklung ins Stocken. Wir haben das Gefühl, auf der Stelle zu treten und spüren den Sand im Getriebe. Was gerade noch mühelos schien, ist jetzt ganz schwer. „Rien ne va plus“, nichts geht mehr. Die Plateauphase führt uns zu Desillusionierung, Verzweiflung und „Tage der finstersten Nacht“. Es wird unzählige Versuche und hartnäckige Kämpfe gegen die Hydra brauchen, die uns an den Rand der Erschöpfung führen. Das Gute daran ist die Normalität dieser Tiefpunkte. Jeder Mensch kennt sie, jeder durchlebt sie, keiner kann ihnen entkommen, auch wenn es manchmal so aussieht und, noch öfter, wo geschrieben steht.

Wenn wir in unserem Inneren mit der Haltung aufräumen, dass eine ernsthafte Weiterentwicklung einfach und ohne Anstrengung vor sich ginge, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Was aber könnte ein Grund sein, sich von einer Normalität aufhalten zu lassen? Es gibt an dieser Stelle wohl viele Ausreden, aber keinen wirklich guten Grund.

In 80 Tagen alles neu

Das klingt schon wieder nach einem einfachen „Work-out“, nach einem Programm zum Erfolg in 80 Tagen. Das ist aber hiermit nicht gemeint. Im Film „In 80 Tagen um die Welt“, nach einem Roman von Jules Verne, bricht der englische Gentleman Phileas Fogg aus seinem Leben nach dem Uhrwerk aus und geht eine Wette ein. Diese Wette führt ihn mitten ins Abenteuer seines Lebens und bekanntlich in 80 Tagen um die Welt. Dabei nimmt er es mit jedem Hindernis auf. Wer also mit seinem Leben – aus welchen Gründen auch immer – unzufrieden ist, kann eine Wette auf sich selbst abschließen und sich in 80 Tagen einer Wandlung unterziehen. Es ist nicht gemeint, dass in 80 Tagen schon viele neue Gewohnheiten zu erkennen sein wären, aber diese Tage geben genügend Zeit, sich mit sich selbst, seinem Leben und seinen Entwicklungswegen zu beschäftigen. Beginnen wir dabei mit möglichst vielen Ideen, lassen wir uns die Ideen zu Herzen und durch den Bauch gehen und beginnen wir zu sammeln: Bilder, Geschichten, Erfahrungen, Zeitschriften, Bücher, alles, was zu unseren Ideen passen könnten und was uns inspiriert. In den 80 Tagen ist die Plateauphase eingerechnet. Wir können Wochen verstreichen lassen und grübeln, spazieren gehen und hoffen. Dann aber wird plötzlich der Zeitpunkt für einen „Heureka!“- Ausruf gekommen sein. Irgendwann wird es uns klar sein, womit wir nun beginnen und welche Schritte es sind, die unser Leben für immer verändern werden. Der begonnene Wandel kann, muss aber nicht wirklich radikal sein. Es reicht schon aus, wenn wir eine schlechte Gewohnheit, hinter uns lassen und gegen eine neue ersetzen! Diese 80 Tage sind also kein „Work-out“ Programm, sondern eine Zeit des Eintauchens in den eigenen Innenraum. Vielleich ist es auch ein Einspinnen in einen Kokon, aus dem nach 80 Tagen eine Idee oder gar ein neuer Mensch heraustritt. Ignatius von Loyola hätte wahrscheinlich die Exerzitien bevorzugt, aber das „80 Tage, alles neu“ Programm ist auch einen Versuch wert. Beginnen Sie ein neues Spiel, schließen Sie eine Wette mit sich selbst ab.

Tipps zum Abschluss

Am Ende müssen nun einige hilfreiche Tipps folgen, quasi als kleiner Dank, dass Sie mir bis hierher gefolgt sind.

Stellen Sie bei der persönlichen Weiterentwicklung nicht den Erfolg in den Vordergrund
Vielfach können wir beobachten, wie Menschen viele Trainingsprogramme parallel laufen haben und dabei nur ein Ziel verfolgen: Mehr Erfolg im Job. Wer aber sein Leben außerhalb der Arbeit zum Trainingslager für die Arbeit macht, setzt sich unnötig unter Druck und fährt schnurstracks in eine Sackgasse. Letztlich geht es auch in vielen der spirituellen Bücher um Erfolg. Zwar wird indirekt über den spirituellen Weg Gelassenheit und Stärke versprochen, am Ende aber ist das alles immer nur das Training für mehr Erfolg. Wer entspannt ist, kann bei Bedarf mehr Energie einbringen, wer seine Resilienz stärkt, hält mehr aus und kommt nach einer Erschütterung schneller wieder auf die Beine. Selbsthilfe bringt uns aber weit mehr, wenn wir nicht den Erfolg zum Ziel haben, sondern unsere Entwicklung selbst. Dabei stellen wir uns als Mensch, als schöpferisches und übendes Wesen in den Mittelpunkt. Wir sind dabei wichtig, nicht das, was wir damit erreichen.

Geben sie ihren Misserfolgen eine neue Bedeutung

Mit den Misserfolgen verhält es sich ähnlich wie mit unseren Übungen. Jeder Misserfolg ist ein Stein, der uns den Weg zum Erfolg pflastert. Und jeder Misserfolg macht uns stärker, will also einfach überwunden und vergessen werden. Auch das scheint mir eine Sackgasse zu sein. Besser wäre es wieder zu lernen, uns etwas zuzumuten. Wir dürfen uns den Misserfolgen hingeben, sie auskosten und uns daran laben. Sie sind Teil des süßen Lebens und geben keinen direkten Auftrag, zu lernen. Somit ist Misserfolg nicht etwas, was wir überwinden müssen, sondern er ist schon im Augenblick des Erlebens ein Teil der Vollkommenheit unseres Lebens. Ebenso steht es um das Glück. Glück ist nicht das Ziel. Trauer und Leiden sind wie Misserfolge ein eigenständiger und wichtiger Teil des Lebens.

Ergeben sie sich ihrem Wesen. Beginnen sie zu üben

Der Ausweg aus dem Dilemma der Trägheit heißt Übung, heißt Wiederholung und braucht Konsequenz. Nur die Konsequenz lässt die Energien sprudeln, die uns die Kämpfe gegen die Trägheit  wieder aufnehmen und ein Stück weit gewinnen lassen. „Sieger sein“ am Ende des Tages, sich demütig der dunklen Nacht ergeben und am nächsten Tag erneut den Aufstieg wagen. Denn es sind nicht die alten Muster, die uns an der Weiterentwicklung hindern. Vielmehr sind es die neuen Muster, die ohne Übung zu schwach bleiben, um uns nach oben zu bringen. Wiederholung ist also auch auf hoher Ebene das Zauberwort. Die Übung dient nicht dem schalen Erfolg, sie dient dem eigenen Sein, ganz ohne Zwang, frei, lebendig, schöpferisch.

herzlich,

Ihr Heinz Peter Wallner

PS: kennen Sie schon mein neues Buch: „Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingen? (clicken Sie bitte hier)

 

 
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