Home Blogartikel Arbeiten im Flow – die vier Weisen des Tuns

Arbeiten im Flow – die vier Weisen des Tuns

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Arbeiten im Flow – die vier Weisen des Tuns

by Heinz Peter Wallner

Meine Worte sind groß und nutzlos, sie sind wild, verwegen, ungezähmt, merkwürdig, nicht ernst, voller Widersprüche …. (Zhuangzi)  => Lernen ist ein gemeinsames Erkunden!

Löwenzahn in Entwicklung

Löwenzahn in Entwicklung

FLOW-Leadership 3: Fäden spinnen…,  danke Andreas Fritsch für die Diskussion. Ein paar Gedankengänge zum Flow-Prinzip möchte ich noch ergänzen. Eine Weise des Tuns, die mir in meiner Arbeit mit Unternehmen recht häufig begegnet, ist der „Widerstand“. Das ist soviel, wie das Gegenteil von „Flow“.

Stufe 0: Widerstand

Wir begegnen einer Situation mit Widerstand und stellen fest, dass etwas so nicht hätte kommen dürfen oder aber, dass etwas, was wir erwartet haben, nun doch nicht eingetreten ist. Es ist ein sehr einfaches Muster, einer Situation mit Widerstand zu begegnen. Weil einfach und bequem, wird Widerstand bei vielen Menschen zum normalen Modus, zum primären Reaktionsmuster. Eckhart Tolle beschreibt und interpretiert dieses Verhalten sehr eindringlich. Wer den Situationen mit Widerstand entgegentritt, der geht in den Widerstand mit dem eigenen Leben. Unser Leben offenbart sich nur im Augenblick, also immer genau in der Situation, die wir jetzt erleben. Wir finden unser Leben weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft.  Ich sehe es als eine Grundvoraussetzung für ein Flow-Erlebnis, sich vom Muster des Widerstandes – so gut wie eben möglich – zu lösen und die Situationen, besonders die Arbeitssituationen, einfach als Herausforderungen, die das Leben an uns richtet, anzunehmen. Bei Eckhart Tolle habe ich auch die drei Moden des erwachten Handelns gefunden, die aus meiner Sicht zum Flow-Prinzip sehr gut passen und die Diskussion um eine Perspektive erweitern. Es sind dies: (1) die Bereitwilligkeit, (2) die Freude und (3) der Enthusiasmus (die göttliche Begeisterung). Zuvor aber müssen wir uns über die Stufe 0 (Widerstand) erheben und unsere innere Haltung mit mehr Gelassenheit und Einsicht füllen. Wie immer können wir diesen Prozess entlang der liegenden Acht als Neues Denken, neue Haltung, neues Tun und neue Erkenntnis beschreiben (Geist-Herz-Bewegung-Form  meint lernen in der liegenden Acht) und durchleben.

Stufe 1: Bereitwilligkeit

Es gibt viele Situationen in unserem Leben, die wir nicht freudig erleben können oder wollen. Wenn im Job etwas von mir abverlangt wird, das mich unter Zeitdruck bringt, mich überfordert, oder schlimmer, mich übervorteilt, dann kommt keine Freude auf. Muss es aber unbedingt sein, diesen schwierigen Situationen mit Widerstand zu begegnen? Vielleicht geht es mit Bereitwilligkeit.

Ein konkretes Beispiel, was ich hier meine: Vor wenigen Wochen ist in meinem Büro mein Server kaputt gegangen und der EDV Dienstleister hat seinen Job nur halbherzig erledigt, was mir und meinen Kollegen einen großen Zeitverlust eingebracht hat. Im Modus Widerstand lege ich mich mit der Situation an, ich streite, beschimpfe den EDV Betreuer und ärgere mich über etwas, was so hätte nicht passieren dürfen.  Etwas erwachter – „von der ebenen Erd in den ersten Stock kommend“ – sieht der Modus anders aus. Freude werde ich keine empfinden, aber ich kann die Situation bereitwillig annehmen. Es ist, wie es ist und ganz sicher, kann ich aus der Situation für mich eine Lehre ziehen. Welche Zeichen sollte ich lesen können? Was sagt mir die Situation? Im Modus Bereitwilligkeit erledige ich die Dinge, die das Leben gerade in diesem Augenblich von mir verlangt, einfach so und ohne Ärger. Das klingt vielleicht emotionslos, aber es ist das Gegenteil, weil es ein starkes Gefühl der Erleichterung und Gelassenheit bringt.

Stufe 2: Freude

Im Modus Freude sind wir dem Flow bereits sehr viel näher gekommen. Habe ich mein Selbst auf der Schwingungsfrequenz der Freude eingestimmt, dann geht die Arbeit sehr leicht von der Hand. Es ist aber nicht so, dass mir die Art der Tätigkeit die Freude bringt und ich daher von den Umständen abhängig wäre, ob ich mich freuen darf. Vielmehr fließt die Freude aus meinem Inneren in das ein, was ich tue (interpretiert nach Eckhart Tolle). Wer mit Freude seine Arbeit erledigt und den Situationen des Lebens freudig begegnet ist noch unbedingt in einem Flow-Zustand, aber schon sehr nahe dran.

Stufe 3: Enthusiasmus (die göttliche Begeisterung)

Im Modus des Enthusiasmus bin ich mitten im Fluss des Lebens und seiner schöpferischen Kräfte. Diese göttliche Begeisterung erlebe ich nur, wenn mein inneres und mein äußeres Ziel übereinstimmen und mein Tun von einer Geist-Herz-Resonanz  energetisch beflügelt wird. Solche Flow-Phasen mögen im Leben immer wieder auftreten, aber sie sind nicht der Normalfall. In einem normalen Rhythmus des Lebens finden wir immer Lebensphasen auf allen drei Stufen des erwachten Handelns. Auch auf der Stufe 0 (Modus Widerstand) werden wir uns immer wieder einfinden und langsam erkennen, dass wir zumindest auf Stufe 1 kommen sollten. Ab der Bereitwilligkeit wird das Bewusstsein konstruktiv und wir Menschen leisten einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Welt.

In der Entwicklung etwas weiter

In der Entwicklung etwas weiter

Wie Kurt Schauer in seinem Kommentar zu meinem ersten Flow – Artikel schreibt, werden wir zu „Beschenkten“. Ein schönes Gefühl macht sich da breit. Hier geht es dann besonders um die Dankbarkeit, die Dodo Kresse als Kommentar im selben Artikel angesprochen hat (@inetti).

Flow im Modus Enthusiasmus erreiche ich demnach ganz unabhängig von meiner Umwelt. Es ist nicht die Umwelt, es sind nicht meine Führungskräfte, nicht meine KollegInnen etc., die mir das ideale Entwicklungsfeld zur Verfügung stellen müssen, sodass Anforderung und Können im Einklang und in eine Resonanzschwingung kommen.  Auf welcher Stufe ich mich mit meiner Frequenz einschwinge, hängt ausschließlich von mir selbst ab. Natürlich ist es mir sehr bewusst, dass andere Menschen mein Leben immer leichter oder schwerer machen können. Freunde, unterstützende Kollegen und Netzwerke sind Gold wert. Auch ist es sehr unterstützend, wenn das Unternehmen seine MitarbeiterInnen fördert, fordert, ausbildet, ihnen Vertrauen schenkt, sie einbindet in Zukunftsentwicklungen … kurz, ein ideales Umfeld für Entwicklung bietet. Aber das alles ist für das Glück und für die Flow-Erlebnisse nicht mehr als eine unterstützende Rahmenbedingung. Flow muss von innen kommen, das sehe ich mit großer Klarheit. Für jeden Menschen gilt das Prinzip Selbstverantwortung. Es ist unsere Wahl, wie wir das Leben interpretieren.

Quellen:

Flow-Prinzip von Mihaly Csikszentmihalyi (sprich: tschick-sent-mihaji) und sein Buch Flow: Das Geheimnis des Glücks

Für Interessierte an Bewusstseinsentwicklung: Eckhart Tolle #Bewusstsein

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Zu meinem ersten Flow-Artikel Das Flow Prinzip und die alten Weisheitslehren gibt es einige Kommentare. Hierzu einige Anmerkungen:

Das von Kurt Schauer erwähnte Buch von Gerhard Schulze: „Die beste aller Welten“ ist wirklich sehr lesenswert! Es bringt wertvolle Einsichten in die Welt der Steigerungswirtschaft und der parallel aufkommenden  Alternative der Ankunft.

@inettiDodo Kresse – Deine Idee mit den „Lobensbüschen“ im wunderbaren Kinderbuch „Der Petzonaut“ ist auch für jedes Unternehmen eine super Idee. „Wird der Busch im vorbeigehen berührt, spricht er ein Lob aus …“  – den sollten wir an der engsten Stelle im Gang aufstellen J

Die Frage, wer bringt mich den ins Handeln, beantwortet Stefanie Eisenbaumer mit dem „Stoß“ von außen. Da bin ich ganz bei ihr. Ein Zuspruch eines Menschen, dem wir vertrauen, ein kleiner Schubs ins neue Muster wirkt oft Wunder. Schön ist es natürlich, wenn wir uns den notwendigen Schubs auch aus unserer inneren Kraft geben können.

Dr. Heinz Peter Wallner Learning to change! Dem Wandel begegnen, Komplexität meistern, auf höhere Ebenen kommen! Führungskräftetrainer, Organisationsentwickler, Buchautor, Vortragender, mit 20 Jahren Berufserfahrung. Leadership, Self -Leadership und Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Veränderung und hoher Komplexität (VUCA Welt), Leading Change, Entscheidungsfindung und neue emotional-intuitive Führungskompetenzen für agile Führungsformen. Das ganzheitliche und kreative Design wird Sie überraschen. Web: www.hpwallner.com Büro: Schönborngasse 4/5, 1080 Wien, Österreich Mobil: +43-664-8277375 Office: +43-664-8277376 Mail: wallner [at] trainthe8.com Office: office [at] trainthe8.com

3 Kommentare

  1. Danke für Deine Weiterführung. Der Widerstand interessiet mich dabei besonders.
    Widerstand hat aus meiner Sicht vordergründig zwei Perspektiven:
    * eine passive und
    * eine aktive.
    Die passive ist das was wir als quer über dem Weg liegenden Baum auf unserem Weg erleben. Hier gibt es ganz klar gegenüber dem was der erwartete Normalfall ist einen Widerstand.
    Die aktive Perspektive ist jene, die wir in uns aufbauen. In dieser gibt es wiederum zwei Perspektiven:
    * eine extrospektive, die eine Reaktion auf ein objektives Hindernis draußen ist (Baum über dem Weg) und
    * eine introspektive, die gar keinen Baum über den Weg braucht (bei den Konstruktivisten wie Watzlawick finden sich dazu tolle Beispiele).

    Wenn wir also für Widerstände in Organisationen, Gruppen oder uns selbst einen neuen Zugang und einen produktiven Ausgangspunkt für die Bereitschaft finden wollen, dann gilt es diese Unterscheidungen unbedingt zu beachten. Denn jede dieser Perspektiven löst in uns wie in den uns umgebenden Menschen ganz unterschiedliche Empfindungen aus.

    Ich hoffe, dass diese Darstellung keinen Widerstand im Leser auslöst, denn sonst geht es mir wie einen der in der aktiv-introspektiven-Perspektive hängt: „Und oft wundere ich mich, warum das keiner so sieht wie ich!“

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